Topropeverzicht in der Sächsischen Schweiz

Obwohl es in vielen Kletterregionen dieser Welt eine gängige Praxis ist, wollen wir in der Sächsischen Schweiz auf Toprope verzichten. In dieser Infobroschüre erklären wir warum.

WAS IST TOPROPE?

Allgemein wird vom Toprope-Klettern gesprochen, wenn eine Seilschaft nicht zum Gipfel aussteigt, sondern der Nachsteiger am umgelenkten Seil vom Boden aus gesichert wird.

BESONDERHEIT SÄCHSISCHE SCHWEIZ

Während in Kletterhallen und vielen Klettergebieten der Welt Toprope eine gängige Sicherungspraxis ist, wird in der Sächsische Schweiz aufgrund der besonderen Tradition und des weichen Sandsteins auf Toprope verzichtet. Standard ist hier der Ausstieg als Seilschaft auf den Gipfel. Und so heißt es in den Sächsischen Kletterregeln:

Toprope sollte grundsätzlich auf künstliche Kletterwände und Klettergärten beschränkt bleiben und in den Sandsteinklettergebieten eine Ausnahme darstellen. […]
§4.3 Sächsische Kletterregeln

Obwohl es Situationen gibt, in denen ein Toprope sehr bequem ist, kann es mit Problemen verbunden sein: Gerade in leichterem Gelände ist es schwer, Topropes sauber einzurichten. Das Seil schleift über den Felsen und bereits einmaliges Ablassen kann sichtbare Riefen hinter – lassen – solche Aufbauten sind ein selbstverständliches ‚NO-GO‘.

Toprope erleichtert und ermutigt das Sichern von sowohl großen Gruppen also auch von Personen, die mit einem Weg überfordert sind. Beides macht Griff- und Trittausbrüche im weichen Sandstein wahrscheinlicher.

Eine Überforderung ist besonders wahrscheinlich, wenn die Umlenkung nicht im Vorstieg eingerichtet wird, sondern das Seil von oben oder mit Hilfsmitteln eingehängt wurde. Toprope ist als Ausnahme nicht für größere Gruppen gedacht, sondern soll sich auf ein Minimum beschränken. Damit sind Seilschaften mit 1-2 Nachsteigern gemeint.

[…] Sollte Toprope gestiegen werden, muss der Kletternde den Schwierigkeiten gewachsen sein, um Griff- und Trittausbrüche zu vermeiden und die Felsoberfläche zu erhalten. Die Anzahl der Toprope-Kletternden muss auf ein Minimum beschränkt bleiben. […]
Auszug aus den Sächsischen Kletterregeln

Die Absicherung macht oft einen signifikanten Teil der Schwierigkeit einer Route aus – ein Seil von oben mindert den sportlichen Wert einer Begehung. Deshalb sollte ein Vorsteiger immer den Vortritt vor einem Toprope-Kletternden haben. Abseilösen werden zum Abseilen gebraucht und dürfen nicht als Umlenkung blockiert werden. Auch beim Toprope
muss vorsichtig abgeseilt und nicht abgelassen werden, um Einschleifen des Seiles und versehentliches Wegtreten von Strukturen zu vermeiden.

[…]Langes Blockieren der Kletterrouten ist zu vermeiden. Anderen Kletterern, die die Route vorsteigen wollen, ist Vorrang zu gewähren. Abseilösen dürfen nicht zur Toprope-Sicherung verwendet werden. […]
Auszug aus den Sächsischen Kletterregeln

DAS GIPFELERLEBNIS

Der Gipfelausstieg ist nicht nur eine Frage der Tradition, sondern auch des Kletterstils. Die Existenz eines Gipfels bedeutet automatisch die Herausforderung, ihn als Seilschaft zu erreichen.

Dieser Kletterstil ist oft anspruchsvoller als das Umlenken über eine Route. Wegfindung, Seilführung, Auswahl und Aufbau von Ständen fordern sowohl Vor- als auch Nachsteiger. Als Belohnung winkt der Seilschaft neben einer Aussicht das inspirierende Gefühl, den Gipfel ohne Kompromisse erreicht zu haben. Im Gipfelbuch liest man von anderen, die ihr Ziel erreicht haben. Manchmal ist man einer der wenigen, die sich dieser Aufgabe erfolgreich gestellt haben.

Ganz nebenbei bereitet dieser Kletterstil mit seiner Ähnlichkeit zum alpinen Klettern auf größere Projekte und Mehrseillängentouren vor. Immerhin sind einige der herausragenden Wege im Elbsandstein nur als Seilschaft zu bewältigen.

AUSNAHMEN?

Das Wort ‚Ausnahme‘ in den Sächsischen Kletterregeln ist hier sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verstehen. D.h. zum einen soll ein Toprope nur in einem sehr kleinen Anteil deiner Wege zum Einsatz kommen, zum anderen sollte die Situation, in der du Toprope anwendest, eine absolute Ausnahme darstellen. Dazu gehört, nicht von vornherein
für einen Klettertag ein Toprope einzuplanen. Mehrere Topropes pro Gipfel stellen definitiv keine Ausnahme dar, insbesondere nicht bei Kletterkursen, und entsprechen nicht dem Sächsischen Stil.

BEVOR DU EIN TOPROPE NUTZT, ÜBERLEGE EHRLICH OB ES ALTERNATIVEN GIBT:

– Kann man sich mit anderen Kletterern bei der Kinderbetreuung abwechseln?
– Ist es nicht erfüllender besser zu werden, bis man einen Weg im Vorstieg bewältigen kann?
– Lerne ich im Toprope das Vorsteigen und Schlingenlegen?
– Habe ich für meine Klettergruppe ausreichend Betreuer organisiert, insbesondere wenn es um Kinder geht?
– Kann nicht der erste Nachsteiger die Sicherung vom Gipfel übernehmen, sodass ich als Vorsteiger für weitere Wege zu Verfügung stehe?
– Zeugt es nicht von einem billigen Kletterkurs, wenn der Veranstalter auf Toprope zurückgreifen muss? Enthält er mir damit nicht das Gipfelerlebnis vor?

REGELN RESPEKTIEREN – VORBILD SEIN

Die Kletterregeln sind Teil der Naturschutzgesetze. Verantwortlich für die Befolgung der Regeln sind wir Kletterer selbst. Kontrolliere dich und sei Vorbild für Andere. Wenn du ein problematisches Toprope siehst, sprich darauf an, kläre auf, zeige Alternativen auf, biete dich als Vorsteiger an. Es geht nicht um Verbote, sondern um Akzeptanz des Kletterstils in der Sächsischen Schweiz.