Nachlese der Strategietagung, Beschlüsse der KER zur Anerkennungspraxis neuer Wege

Die Fachgremien des SBB haben ausgehend von der Strategietagung im Januar Änderungen in der Anerkennungspraxis neuer Wege beschlossen. Ziel ist, vor allem die Qualität neuer Wege zu erhöhen. Dabei ist Qualität nicht im Sinne der Felsqualität gemeint, das soll die Klettergemeinde bewerten, sondern im Sinne von Eigenständigkeit.
Die Änderungen entsprechen dem Geist der Sächsischen Kletterregeln, jedoch hat sich die gelebte Praxis davon etwas entfernt, was die Änderung nötig macht. Zur Klarstellung und Erhöhung der Transparenz unseres Handelns werden die Änderungen auch in den schriftlichen Kletterregeln festgehalten. Dafür sind aufwendigere Abstimmungen nötig, die im Hintergrund laufen.
Dies sind die strengeren Kriterien zur Anerkennung neuer Wege:
1.Ringabstände unter 3,0 m soll es nicht mehr geben. Gelingt es einem Erstbegeher nicht, diese Forderung einzuhalten, muss er die Begehung abbrechen. Die zuständigen Gremien werden die Situation bewerten und je nach Fall die Fortsetzung genehmigen oder nicht. Gründe für Ausnahmen gibt es ja. Mehrfache Unterschreitungen des Mindestabstandes hintereinander wird es aber nicht mehr geben.
2.Ein Weg benötigt nach links und rechts einen Abstand von 3 m. Korridore unter 6 m Breite sind damit von vornherein zu schmal für die weitere Erschließung. Da es recht häufig vorkam, dass Ringe nicht dort steckten, wo die Kletterlinie verläuft, werden Zweifelsfälle zukünftig verstärkt überprüft, indem sie geklettert werden.
Mit vorübergehenden Annäherungen an bestehende Wege muss nach wie vor mit Augenmaß umgegangen werden. Die Gremien werden in solchen Fällen mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Beeinträchtigung vorhandener Wege durch Ringe achten.
3.Erstbegehungen sind nur dann solche, wenn sie Neuland erschließen. Die Regel sagt schon heute aus, dass Kombinationen vorhandener Wege sowie unbedeutende Wegabweichungen keine Anerkennung finden. Daher ist es konsequent, von einem neuen Weg zu verlangen, dass wenigstens die Hälfte neu ist. Wird diese Forderung bei einem Vorhaben nicht eingehalten, so muss es vorher genehmigt werden.
Auch weiterhin sollen lohnende Varianten (weniger als die Hälfte neu) erschlossen werden können. Allerdings muss die Entscheidung, was lohnend ist und was nicht, bei den SBB-Gremien liegen. Erstbegeher sind in der Regel etwas voreingenommen.
4.Fristen sind einzuhalten, insbesondere die 4-Wochen-Frist zur Anmeldung neuer Projekte. Dadurch soll es möglich werden, konfliktträchtige Erstbegehungen schon vor ihrer Fertigstellung in den Gremien zu klären.
5.Das ganze Anmeldeverfahren wird umgestellt auf eine elektronische Datenbank. Damit wird das zeitnahe Anmelden von Projekten und Wegen erleichtert. Die Datenbank wird auch abgelehnte Projekte enthalten und so klären, ob Vorhaben nicht schon auf Ablehnung gestoßen sind. Selbstverständlich wird die schriftliche Meldung nach wie vor anerkannt.
Diese Kriterien werden seit April 2009 angewendet. Sie gelten nicht starr – Ausnahmen sind möglich. Jedoch müssen alle Ausnahmen vorher von unseren Fachgremien genehmigt werden. Ansprechpartner ist dafür zunächst die AG Neue Wege in Person von Christian Glaser.

Ludwig Trojok