Nachrichten aus dem Verein

Antwort der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz zu den Werbeaufnahmen für „Hanuta“

Danke für die ausführliche Dokumentation zu Ihren Beobachtungen am Gamrigkegel und ihre diesbezüglichen Nachfragen bei uns.

Seit Januar vergangenen Jahres hat die Nationalparkverwaltung über 40 Filmteams im Gebiet betreut und Dreharbeiten unterschiedlichster Zielrichtung ermöglicht. Die hiefür bestehenden Grundsätze und Regelungen richten sich nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz mit den anderen Besuchern und Nutzern des Nationalparks und führten dazu, dass diese große Anzahl an Produktionen naturschutzfachlich verträglich und für die Besucher weitgehend „geräuschlos“ ermöglicht werden konnten. Zahlreiche konfliktträchtige Vorhaben wurden abgewendet oder einer Kompromisslösung zugeführt. Beispielsweise wurden zahlreiche Dreharbeiten in weniger sensible Bereiche des Landschaftsschutzgebietes Sächsische Schweiz verlegt.

Bedauerlicherweise ist durch Zwangspunkte bei der Organisation der von Ihnen angesprochenen Filmaufnahmen nur der Sonnabend als Drehtag möglich gewesen. Künftig werden wir die auch die zeitlichen Belange der Klettersportler besser in die Genehmigung von Dreharbeiten einbeziehen.

Bei der Auswahl des Gamrig und der Genehmigung an diesem Standort spielten folgende Gesichtspunkte eine Rolle:

§ Verlegung der ursprünglich an der Gans beantragten Dreharbeiten an einen weniger sensiblen Ort

§ Aufnahmen sollten aus mindestens drei Perspektiven (von oben, auf gleicher Höhe, von unten) ermöglicht werden; unter anderem hatte das Drehteam auch hier Flugaufnahmen vorgesehen, durch den Drehort Gamrigkegel konnten diese mehreren Perspektiven problemlos ohne weiteren störenden Technikeinsatz ermöglicht werden,

§ die Meißelarbeiten — auch nicht den „leichten“ Einsatz des Werkzeugs- haben wir ausdrücklich nicht genehmigt. Als Bestandteil der Genehmigung war von Anfang an klar, dass das Meißeln nur vorgetäuscht würde, ohne den Fels zu berühren. Im Film sollte das Ergebnis der Meißelarbeiten digital eingearbeitet werden.

§ Im Endprodukt wird die Sächsische Schweiz als Drehort nicht erwähnt, auch wenn sie für Gebietskenner zu erkennen sein dürfte.

Die Dreharbeiten wurden wie immer im Nationalpark von Anbeginn bis zum Abschluss von einem Mitarbeiter der Nationalparkwacht kontrolliert. Er verließ den Drehort aufgrund weiterer dringlicher Aufgaben nach der Aussage des Drehteams, dass die Aufnahmen nun abgeschlossen seien und bis dahin die Arbeiten alle ordnungsgemäß abgelaufen waren. Wir sind deshalb sehr dankbar für Ihre rechtssicheren Hinweise und Zeugenaussagen. Auf dieser Basis können wir aussichtsreich ein Verfahren zur Verhängung einer Ordnungswidrigkeit einleiten.

Künftig wird der Einsatz der Wacht bis zum Abschluss der Arbeiten erfolgen, um derartige Vorfälle zu vermeiden.

Für Gemeinden und Tourismuswirtschaft sind Dreharbeiten in der Sächsischen Schweiz von erheblicher Bedeutung. Dennoch versuchen wir, die Belange des Naturschutzes und das Ruhe- und Freizeitbedürfnis der Besucher des Gebietes ohne Störungen zu gewährleisten. Ihr Schreiben ist für uns daher eine große Unterstützung in der Argumentation mit den Filmproduktionsfirmen bei der Abstimmung von Drehorten und -zeiten.

Sollten Sie noch Fragen zu dem Einzelprojekt oder den Grundsätzen haben, bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen
Hanspeter Mayr
Pressesprecher der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Werbeaufnahmen für das Süßwarenprodukt Hanuta am Gamrigkegel im Rathener Gebiet am 15.08.2009

Zur Information der Brief an die Nationalparkverwaltung

Werbeaufnahmen für das Süßwarenprodukt Hanuta am Gipfel Gamrigkegel im Rathener Gebiet, Teilgebiet Gamrig am 15.08.2009

Sehr geehrter Herr Dr. Stein,

am Samstag, den 15.08.2009 gegen 15:30 Uhr beobachteten Stefan Jacob, Helge Rosner und ich folgenden Vorgang:

Neben dem Gamrigkegel in der Scharte zur Gamrigaussicht befand sich eine große Ansammlung von Menschen. Technik für Ton- und Filmaufnahmen war aufgebaut, der Gipfel des Gamrigkegel mit zahlreichen Seilen und Kabeln umwoben.

Auf der Seite der Abseilwand saß ein Mann auf etwa halber Höhe im Abseilseil und in einem Wandring des dort verlaufenden Kletterweges.

Aufgrund der Handlungen konnte man wahrnehmen, dass offensichtlich Filmsequenzen mehrfach geprobt und wiederholt wurden. Dass es sich um Werbeaufnahmen für die Fa. Ferrero handelte, bekamen wir erst später mit.

Bestandteil der oft wiederholten Aktion, die gefilmt wurde war, dass der Mann in der Abseile mit einem Hammer und einem Meißel den Felsen des Gamrigkegel bearbeitete. Zusätzlich waren Dialoge und das Essen eines Hanuta Bestandteil der Filmsequenz.

Beim Meißeln am Felsen entstanden zahlreiche Meißelspuren von etwa 3 mm Tiefe und bis 10 mm Breite auf einem Teilbereich inmitten der Felswand von mindestens einem halben Quadratmeter.

Wir sprachen das Filmteam an und drückten unsere Verwunderung über diese Handlungen aus. Die Felsen befinden sich in einem sensiblen Gebiet des Nationalparks mit sehr weichem Gestein.

Man sagte uns, dass dies Werbeaufnahmen im Auftrag der Fa. Ferrero für das Süßwarenprodukt Hanuta seien. Die Aktion sei genehmigt durch die Verwaltung des Nationalparks. Erst am selben Vormittag hätten zwei Ranger die Aufnahmekonstruktion abgenommen. Dabei sei auch explizit das Meißeln am Felsen genehmigt worden.

Aus dem Gespräch konnte man nicht den Eindruck gewinnen, dass sich die Mitarbeiter des Filmteams über die sensible schützenswerte Situation dieses Naturgebietes im Klaren waren.

Wir dokumentierten unsere Beobachtungen mit Fotos auch aus der Nähe an der Schadstelle.

Das Filmteam brach die Fortsetzung der Aufnahmen nach unserem Gespräch sofort ab.

Aufgrund dieses Ereignisses ergeben sich Fragen, die ich von Ihnen gern beantwortet haben möchte.

– Stimmt es, dass die Aktion von der Nationalparkverwaltung genehmigt war und zwar auch ausdrücklich mit Meißeln am Fels?

– Wenn nein, welche Konsequenzen ziehen Sie aus diesem Vorfall?

– Wenn ja, warum wurde dies genehmigt, stehen doch naturschutzfachliche Gründe dagegen?

– Warum müssen Werbeaufnahmen an einem Wochenende gedreht werden, wenn zahlreiche Bergsteiger dort ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen?

– Warum haben Sie den Sächsischen Bergsteigerbund nicht über die Werbeaufnahmen informiert?

Ich lege Ihnen einige Fotos bei, die eindeutig zeigen, welche Spuren am Fels hinterlassen wurden.

Berg Heil!
Sächsischer Bergsteigerbund e.V.

Constance Jacob
Vorstand Öffentlichkeit und Kultur

SBB ändert Punkt 3 „Erstbegehungen“ der Sächsischen Kletterregeln

Der Sächsische Bergsteigerbund hat wenige aber wesentliche Änderungen der Sächsischen Kletterregeln beschlossen. Damit kommt ein Prozess zum formalen Abschluss, der seit vielen Jahren Kletterer und Gremien des SBB beschäftigte.

Es gab häufig Diskussionen über die Anerkennung neuer Kletterwege, weil die Regeln Interpretationsspielräume bei der Anerkennung ließen. Mit den drei Regeländerungen werden diese Spielräume deutlich beschnitten:

1. Der seitliche Wegeabstand soll nach beiden Seiten drei Meter nicht unterschreiten. Bei vorübergehender Annäherung an einen bestehenden Weg ist auf eigene Sicherungsringe zu verzichten.

2. Der Mindestabstand zwischen zwei Sicherungsringen darf drei Meter nicht unterschreiten. Über Ausnahmen muss vor der Durchführung die zuständige Fachkommission des SBB entscheiden.

3. Soweit neue Kletterwege weniger als die Hälfte Neuland erschließen sollen (z.B. Einstiegs- oder Ausstiegsvarianten zu bestehenden Kletterwegen), muss vorher die zuständige Fachkommission des SBB entscheiden.

Dabei geht es dem SBB nicht darum, die Erschließung an sich zu verhindern, sondern um deren Qualität. Gute Vorhaben sind nicht nur möglich, sondern erwünscht.

Der SBB geht von einer befriedenden Wirkung der Regeländerungen aus, die Konflikte zwischen Erstbegehern und Kritikern – wie z.B. das eigenmächtige Entfernen von Sicherungsringen aus Kletterwegen – künftig vermeiden sollen.

Die Regeländerungen wurden nach Anhörung der Nationalparkverwaltung und weiterer sächsischer Bergsportverbände beschlossen.

Die Regeländerungen treten am 01. September 2009 in Kraft.