Nachrichten aus dem Verein

Ablehnung von Elbe-Staustufe in der Böhmischen Schweiz

Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) erneuert seine bereits im Jahr 2006 abgegebene Stellungnahme, eine Elbe-Staustufe in der Böhmischen Schweiz abzulehnen. Das Arbeitsgebiet des SBB, die Sächsische Schweiz, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Böhmischen Schweiz und damit zum Standort der geplanten Staustufe der Elbe. Die Landschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ist ein einziger Landschaftsraum, nur durch eine politische Grenzlinie getrennt, welche immer mehr an Bedeutung verliert.

Die Auswirkungen des Baues einer Staustufe auf die Natur wären schwerwiegend. Durch das Betonbauwerk würde der Landschaftscharakter des 300 m tiefen Elbecanyons empfindlich gestört werden. Der Canyon gehört zu den wertvollsten Teilen der LSG Elbsandsteingebirge und gilt als der größte Sandsteincanyon Europas. Im Bereich der Staustufen würden zudem durch das Bauwerk und die umfangreichen Ufer-Bauarbeiten wertvolle Auenlandschaften zerstört. Außerdem würde der Lebensraum des Elbebibers, der sich genau in diesem Abschnitt zwischen Decin und der Grenze nach Jahrzehnten der Abwesenheit wieder angesiedelt hat, empfindlich gestört.

Grundlegende Annahmen der Planungsunterlagen sind aus unserer Sicht nicht zutreffend. Grundsätzliche Kritik müssen wir an den Aussagen der Planungsunterlagen üben, in denen behauptet wird, dass die Elbe nur in Tschechien nicht ganzjährig befahrbar sei und deshalb die Staustufe zwingend notwendig sei. In Deutschland wäre die Elbe jedoch ganzjährig befahrbar. Diese Aussage ist NICHT richtig. Denn auch in Deutschland weist die Elbe über viele Monate Niedrigwasser auf, was eine Schiffbarkeit in diesem Zeitraum verhindert.
So hatte die Elbe von 1997 bis 2003 durchschnittlich nur an 230 Tagen eine Fahrrinnentiefe von 1,60 m (offizielle staatliche Zahlen). Wir müssen deshalb der Basisaussage der tschechischen Seite widersprechen, dass auf deutscher Seite eine Fahrrinnentiefe von 1,60 m an 345 Tagen im Jahr gewährleistet werden könne. Diese Garantie ist NICHT realisierbar.

Nach dem Bau der Staustufe bei Decin wäre eine durchgehende Befahrbarkeit der Elbe an 345 Tagen pro Jahr und damit eine ganzjährige Schiffbarkeit des gesamten Flusses also nicht gegeben. Die Güterschiffe stehen dann im Stauraum des Bauwerkes in der Böhmischen Schweiz, müssen warten und kommen nicht weiter. Vielmehr ergibt dies sogar einen Druck auf Sachsen, zukünftig nachzuziehen und ebenfalls Staustufen zu planen.

Die hohen Investitionskosten, die auch von der EU bezahlt werden sollen, stehen insgesamt in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen.

Für Rückfragen erreichen Sie Dr. Peter Rölke, Arbeitsgruppenleiter für Natur- und Umweltschutz unter der Telefonnummer (0351) 2 56 15 10.