Nachrichten aus dem Verein

Außerodentliche AGF-Sitzung zum Thema „Ufo“ am 28.1.13

Außerordentliche Sitzung der AG Felsklettern zur Zulassung des Ufos am 28.1.13

Die Veranstaltung im Hörsaalzentrum der TU-Dresden war mit etwa 45 Bergfreunden und Freundinnen gut besucht, naturgemäß vor allem von Interessierten in der Sache. Es waren also mehrheitlich Freunde der Rissklettererei, die sich eine sehr sachliche und interessante Diskussion mit bekannten und neuen Argumenten lieferten.
Sehr schnell wurde deutlich, dass die Felsschonung in diesem Zusammenhang nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern dass ethische Fragen im Mittelpunkt stehen.
Interessant ist der Wunsch einiger Teilnehmer, einen Rahmen für Bastellösungen abzustecken. Der soll erlauben, Eigenkreationen einzusetzen, ohne ein formelles Zulassungsverfahren zu durchlaufen.

Argumente der Gegner einer Zulassung sind:
* Das Ufo ist ein völlig neues Sicherungsgerät, das durch seine Expansionswirkung zumindest das Potential hat, kraftschlüssig in (nahezu) parallelen Rissen zu liegen. Es unterscheidet sich damit von allen bisherigen Sicherungsmitteln, die trotz der Keilwirkung von Knotenschlingen immer formschlüssig wirken.
* Die Zugeständnisse an eine Weiterentwicklung der Sicherungsmittel und -methoden in der Vergangenheit (Anbringen von Ringen aus der Schlinge, Benutzung von Skyhooks u.ä.) ermöglichten jedes Mal eine deutliche Weiterentwicklung des Klettersports, indem bis dahin unmögliche Wände nun zu erschließen waren. Eine solche Weiterentwicklung findet mit dem Ufo nicht statt, weil es in erster Linie bestehende Rissklettereien durch bessere Absicherbarkeit vereinfacht, aber bei modernen Erstbegehungen praktisch bedeutungslos ist.
* Allein die Mitnahme eines Ufos in eine herausfordernde Risskletterei mit dem Wissen, an einer beliebigen Stelle notfalls pausieren zu können (das scheint nach ersten Tests im Gegensatz zum Halten von Stürzen der Fall zu sein), verändert den Charakter der Kletterei beträchtlich.
* Wird das Ufo mit seiner Expansionswirkung als Sicherungsmittel zugelassen, so ist völlig unklar, wie mit Weiterentwicklungen umgegangen werden kann. Der Geist wäre aus der Flasche. Und es gibt auf dem Markt erste Weiterentwicklungen zum Beispiel eine Gummibeschichtung (Sohlengummi). Spätestens hier ist die Schwelle zum bisherigen Schlingenmaterial überschritten.
* Der Umgang mit Absicherung und Sicherheit ist im Sächsischen Klettern ein besonderer und sollte das auch bleiben. Zahlreiche (auch auswärtige) Kletterer schätzen die Sächsische Schweiz vor allem deswegen.
* Beliebigkeit und Austauschbarkeit sind keine Garanten für Bergerlebnisse. Erst große Herausforderungen ermöglichen besondere Erlebnisse.
* Es ist keine Lösung, diese Frage jedem Einzelnen zu überlassen. Sport benötigt Regeln und wird erst durch Regeln interessant. Ein Nebeneinander führt über kurz oder lang zu einer Zulassung. Dafür sorgt schon der Hang des Menschen zur Bequemlichkeit.

Argumente der Befürworter sind:
* Ein Ufo ist überhaupt nichts Neues, sondern nur eine pfiffige Schlinge aus bisher auch verwendetem Schlingenmaterial.
* Eine höhere Frequentierung von Rissanstiegen ist kein Nachteil, sondern höchst wünschenswert.
* Ufos können einen wertvollen Beitrag zum Breitensport liefern, indem sie weiteren Kletterern das Vorsteigen ermöglichen.
* Alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Absicherung sollten ausgeschöpft werden.
* Ufos können im Einzelfall nachträgliche Ringe ersetzen.
* Mobile Sicherungsmittel sind fest installierten vorzuziehen, da sie jedem Kletterer die Möglichkeit bieten, über seine Absicherung selbst zu entscheiden.
* Das Regelwerk ist voller Widersprüche. So sind die zugelassenen Sicherungsmittel nicht sauber definiert.

Den Höhepunkt bildete die Äußerung eines seltenen Gastes, einer Frau, die sich die Diskussion eigentlich nur anhören wollte. Sie sagte, dass sie zwar nicht vorsteige, sich aber mit ihrem Partner über dessen Leistung freue und das Klettern im Nachstieg genieße. Ihr sei der weltweite Ruf des Sächsischen Bergsteigens wichtiger als eine Anpassung des Niveaus nach unten. Es müsse nicht jeder vorsteigen können. Dafür gab es offenen Applaus.

Im Saale waren die Lager etwa gleich stark (16 Befürworter, 13 Gegner), was wenig bedeuten will. Interessanter sind die Argumente. Zusätzlich wurde ein Meinungsbild abgefragt, ob sich die Runde vorstellen könnte, Ufos mit der Einschränkung zuzulassen, dass sie den sportlichen Wert einer Begehung mindern. Die Frage hinterließ im Plenum einen faden Nachgeschmack (und einige Nachfragen), da sie einer Entscheidung ausweicht, erhielt aber 35 Fürstimmen.

Die KER wird sich nun mit der Frage eingehend befassen und je nach Ausgang entweder eine Regeländerung in die Wege leiten oder ihre Ablehnung bekannt geben.

Von Seiten des Vorstands bin ich gebeten worden, den Text (vorletzter Absatz) noch einmal zu überarbeiten und insbesondere eine weitere Zahl einzufügen. Dem komme ich selbstverständlich nach, nicht aber ohne diesen Zusatz, damit nicht gesagt wird, da stand doch eben noch etwas ganz anderes. Ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass einige Sonderzeichen nicht korrekt angezeigt wurden. Ich hoffe, dass nun alles passt. (eingefügt am 5.2.2013)

Ludwig Trojok
Leiter der KER