Tickmarks und gegenseitige Rücksichtnahme in der Sächsischen Schweiz

In einigen Kletterwegen der Sächsischen Schweiz findet man seit Jahren kleine, weiße Striche, sogenannte Tickmarks, welche die Position von Griffen und Tritten markieren. Fand man diese anfangs fast ausschließlich in schweren Routen als Hilfsmittel für die dort praktizierten RP-Begehungen, so ist in den letzten Jahren eine zunehmende Ausbreitung dieses Phänomens auch auf leichtere Routen bis zum siebten Grad und darunter zu beobachten. Obwohl die meist mit dem Spatel angebrachten Tickmarks von weitem kaum sichtbar sind und den Fels üblicherweise nicht beschädigen, zerstören sie für viele
Kletterer einen essentiellen Teil ihres Klettererlebnisses. Dies ist ein Appell zur gegenseitigen Rücksichtnahme der im Konsens verschiedener, aktiver Kletterer entstanden ist.

Warum ist dieses Thema so wichtig für Kletterer im Elbsandsteingebirge und wie genau kann man denn Rücksicht nehmen?

In den meisten anderen Klettergebieten werden Griffe automatisch markiert vom Magnesia an den Händen der Kletterer. Da Magnesia in der Sächsischen Schweiz nicht benutzt wird, gibt es hier die einzigartige Situation, dass Griffe und damit oft auch der genaue Wegverlauf nicht von vornherein klar und vorgegeben sind. Das Finden von Griffen und das Vorausplanen der Route sind wesentlicher Bestandteil der Herausforderung. Nicht selten bestimmen diese Aspekte den Anspruch eines Weges mehr als das berüchtigte Schlingenlegen, vor allem bei einer Onsight-Begehung. Für viele Kletterer macht diese Herausforderung und dieser Anspruch einen wichtigen, für manche DEN wichtigsten, Teil ihres Klettererlebnisses aus.

Manche Kletterer dagegen empfinden gerade dieses Suchen nach Griffen und Tritten als Einschränkung und ‚ticken‘ deswegen teils ganze Wege, damit sie und spätere Wiederholer sich ganz auf das Lösen der Züge konzentrieren können. Manchmal werden einzelne Tickmarks auch als ‚Lebensretter‘ bezeichnet, weil sie doch gefährliche Stürze beim Ring-Einhängen verhindern würden. Meist finden sich Tickmarks aber an Stellen, die sturzfreundlich und ordentlich gesichert sind (z.B. schwere Stellen direkt über dem Ring oder in generell gut gesicherten Wegen). Tickmarks werden teilweise auch von Vorsteigern gemacht, während sie ihren, vermeintlich mit dem Weg überforderten, Nachsteigern die Züge erklären.

Obwohl diese Tickmarks also allesamt gut gemeint sind, wird übersehen, dass für viele das Finden von Griffen und Wegverlauf einen essentiellen Teil ihrer eigenen Kletterei ausmacht. Dieses Abenteuer einer Onsight-Begehung, das Unbekannte und Unwägbare, das es praktisch nur hier gibt, bestimmt in den Augen sehr vieler Kletterer den sportlichen Wert ihrer eigenen Begehung. Tickmarks verwehren dieses Abenteuer. Tickmarks verraten ungefragt die Lösung des Rätsels und schränken unterbewusst die eigene Kreativität ein. Dabei lassen sich Tickmarks leider ebenso wenig ignorieren, wie wenn einem Griffe zugerufen werden. Kurzum, Tickmarks beschleunigen zwar die Begehung, aber reduzieren für viele die Freude, die sie an der Begehung haben.

Deswegen unser Appell: Nimm Rücksicht auf andere Kletterer und verzichte auf Tickmarks! Frage Dich als Vorsteiger, ob Deine Nachsteiger die Markierungen wirklich benötigen oder ob es ihnen auch ausreicht, dass Du auf die Griffe zeigst? Vielleicht wollen sie das Bewegungsrätsel ja auch ganz alleine lösen? Wenn Dir für Deine persönliche Begehung Tickmarks notwendig oder wichtig erscheinen, mach die Markierungen so temporär und oberflächlich wie möglich und entferne sie nach Deiner Begehung wieder! Benutze Spatel, deren Markierungen möglichst schnell wieder verschwinden, z.B. aus Holz oder Glasfaser, und mach nur kleine, feine Striche mit wenig Druck. Hab eine Bürste mit Naturborsten dabei um die Markierungen nach Deiner Begehung wieder felsschonend zu entfernen. Es liegt in Deiner Hand, ob Dein Markierungen nach einer Woche nicht mehr zu sehen sind, oder ob sie über Jahre hinweg andere in ihrem Klettererlebnis einschränken!

Wir unterstützen den Aufruf des SBB, auf Tickmarks zu verzichten:
Felix Maul, Frank Wehner, Tino Tanneberger, Michael Scharnweber, Falk Richter, Stephan Gerber, Sebastian Gantz, Christian Glaser, Daniel Fluegge, Stefan Findeisen