Sächsisches Bergsteigen – ein Immaterielles Kulturerbe

Unter Immateriellem Kulturerbe sind Bräuche, Traditionen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.

Wir planen…

… eine Bewerbung des Sächsischen Bergsteingens als Immaterielles Kulturerbe.

Seit der ersten sportlichen Besteigung des Falkensteins durch Schandauer Turner (1864) hat sich das Klettern in der Sächsischen Schweiz beständig weiterentwickelt. Heute ist das Sächsische Bergsteigen mit seinen Besonderheiten und in vielen Dingen auch Einzigartigkeiten eine herausragende kulturelle Leistung und entwickelt sich ständig weiter. So hat sich die vielfältige Klettergemeinschaft nicht nur als Nutzende, sondern durch die tiefe Verbundenheit auch als Bewahrende und Schützende von Natur und Landschaft etabliert. 
In der Naturlandschaft Sächsischen Schweiz ist der Erhalt und die Weiterentwicklung dieses Kulturerbes nicht selbstverständlich und somit auch eine Hauptaufgabe des SBB. In diesem Zusammenhang strebt der SBB eine Bewerbung zur Aufnahme des Sächsischen Bergsteigens in die Liste des immaterielles Kulturerbes in Deutschland an. Ziel ist die Fertigstellung der Bewerbungsunterlagen bis November 2021.

Unser Fahrplan…

… sieht vor, dass wir bis zum 30. November 2021 die Bewerbung einreichen.

Natürlich arbeiten wir schon jetzt daran. Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Bewerbung befasst, Kontakte zum Kultusministerium herstellt, Informationen von anderen Sektionen einholt und bekannte Personen zum Verfassen von Begleitschreiben anspricht. Wir streben eine breite Beteiligung der sächsischen Bergsteigerschaft als Kulturtragende an. Deswegen wollen wir im dritten Quartal eine Umfrage starten. Die Ergebnisse dieser Umfragen wollen wir auch in den Antrag einfließen lassen.

Fragen und Antworten

Was wollen wir dadurch erreichen?

Eine Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe kann die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit als schützenwertes Kulturgut verbessern. Zudem erfährt das Kulturgut eine Wertschätzung als etwas Einmaliges und Wegweisendes für das internationale Klettern. Es ist wichtig, dies für zukünftige Generationen zu erhalten. Diese Würdigung ist nach unserer Ansicht in der letzten Zeit nicht ausreichend vorhanden. Durch diese Anerkennung können Kernelemente des Sächsischen Bergsteigens auch besser vor Veränderungen von Außen geschützt werden. Zum Beispiel wenn es darum geht, traditionelle Rechte des Sächsischen Bergsteigens zu schützen, wie folgendes Beispiel zeigt: Aufgrund der in den letzten Jahren deutlich zugenommenen touristischen Nutzung des Gebirges, weichen immer mehr Wanderer auf Kletterpfade aus. Dies führt zu einer Überstrapazierung und Mehrbelastung der Natur. Dadurch entsteht die Sorge, dass dies zu einer Einschränkung der Benutzung solcher Wege führt ohne, dass Bergsteiger einbezogen werden. Eine offizielle Anerkennung der Kultur des Sächsischen Bergsteigens würde das Klettern gegenüber dem „normalen“ Tourismus abgrenzen und die derzeitig einmaligen Sonderrechte innerhalb eines Nationalpakrs schützen.Zum Sächsischen Bergsteigen gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur. Dies soll als ein zentrales Element des Sächsischen Bergsteigens gewürdigt und ins Bewusstsein hervorgehoben werden. 


Mit der Waldschlöschenbrücke hat Dresden negative Erfahrungen mit dem materiellen Kulturerbe gemacht. Schränkt die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe die Weiterentwicklung z.B. von Kletterreglen ein?

Das Immaterielle Kulturerbe bedeutet nicht, dass die Form des Kulturgutes konserviert und unverändert beibehalten werden muss. Dies bedeuetet, die derzeitigen Entwicklungsmöglichkeiten werden nicht eingeschränkt. Wie bisher bleibt ein Gestaltungsspielraum bestehen im Rahmen der Kletterrregeln, des Naturschutzes und des Kerngedankens des Sächsischen Bergsteigens.Es ist von der Unesco gewünscht, dass sich Immaterielles Kulturerbe kreativ weiterentwickelt, da dies eine Grundlage einer lebendigen und gelebten Kultur ist. 

Bedeutet die Aufnahme als Immaterielles Kulturerbe eine finanzielle Unterstützung des Sächsischen Bergsteigens?

Nein, eine automatische finanzielle Unterstützung des Immateriellen Kulturerbes erfolgt nicht. Es gibt aber unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit zur finanziellen Förderung. Dazu müssten dann entsprechende Anträge gestellt werden. 


Wer darf bei der Formulierung des Antrags mitwirken?

Jeder, auch Du. Daher freuen wir uns wenn Du einen Beitrag leistest. Du musst dafür nicht Mitglied eines Bergsteigervereins sein, auch Deine Kletterfähigkeiten und Dein Wissen über das Sächsische Bergsteigen sind dafür nicht ausschlaggebend. Es stehen Dir dafür verschiedene Wege offen: Nimm an unserer Umfrage teil. Wenn Du mehr leisten möchtest wende Dich mit einer E-Mail an kulturerbe@bergsteigerbund.deDann werden wir gemeinsam überlegen, wie Du uns unterstützen kannst. Momentan suchen wir vor allem helfende Hände bei der Erstellung der Bewerbung. Das können einfache inhaltliche Ideen sein über das Sächsische Bergsteigen oder auch das Formulieren und Korrekturlesen der Bewerbung.


Welche Konsequenzen und eventuelle Nachteile ergeben sich mit der Aufnahme des Sächsischen Bergsteigens als Immaterielles Kulturerbe? 

Mit dem Ziel, das Sächsische Bergsteigen auf die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes zu setzen, können Ängste einhergehen. Zum Beispiel, dass es zu einem stärkeren Tourismus und einer noch weiteren Übernutzung der Wege und Zustiege kommt. Sächs. Klettern ist etwas, dass in Gefahr ist, ein Boom ist angesichts des Zeitgeistes kaum zu erwarten; bedarf sorgfältier Pflege zum Erhalt, deswegen gibt es ja den Antrag.  
Wenn das Augenmerk auf das Sächsische Bergsteigen gelenkt wird, kann es passieren das an das Sächsische Bergsteigen gößere Erwartungen gestellt werden ökologischen, sozial und ökonomischen nachhaltigen mit der Natur, Menschen und Ressourcen umzugehen und sich stärker in Bezug auf gesellschaftlichen Entwicklungen zu positionieren (z.B. Umgang mit Diversity, Datenschutz, barrierefreier Zugang zu allen öffentlichen Informationen wie Koordinaten zu Boofen, kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte) 

Wird dadurch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf das Sächsische Bergsteigen bezweckt?

Es soll keine Werbung mit einem solchen Titel erfolgen um mehr Klettertouristen anzuziehen. Der Titel des Immateriellen Kulturerbes darf ausdrücklich nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden. Es geht vielmehr um eine lebendige, gelebte Kultur.  Der Titel kann jedoch genutzt werden, um die Weitergabe der Kulturform zu fördern und um die Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten des Sächsisches Kletterns zu lenken. Dies sind z.B. als […] Naturschutztradition ist Wert für Gesellschaft und Landschaft. 

Folgen dann vermehrte Kletterkurse zum Weitergeben der Traditionen?

Der SBB strebt mehr Kurse zur Ausbildung im Sächsischen Klettern an.  Die Weitergabe der Traditionen ist ein erwünschter Nebeneffekt. 

Was ist der Unterschied zwischen materiellen und Immateriellen Kulturerbe?

Bei Immateriellen Kulturerbe handelt es sich im Kern um Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten die nicht konkret greifbar und oft auch nicht so einfach sichtbar sind. Beispielsweise gehören dazu Sprache, Künste, Rituale, Umgang mit der Natur oder Handwerkstechniken. Bei materiellen Kultuererbe handelt es sich um konkret greifbares wie z.B. eine Kulturstätte oder Landschaft. Das materielle Kulturerbe soll meist so erhalten bleiben wie es ist. Beim immateriellen Kulturerbe ist hingegen eine Musealisierung des Kulturerbes nicht erwünscht. 

Was für thematisch naheliegende andere Bewerbungen für das Immaterielle Kulturerbe gibt es?

Das Alpine Bergsteigen wurde im Dezember 2019 sogar als Weltkulturerbe anerkannt.

Schränkt die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe den Zugang zum Klettern nur auf bestimmte Personen in der Sächsischen Schweiz ein?

Nein. Zum Sächsischen Bergsteigen gehört, dass die Teilnahme am Klettern prinzipiell jedem offen steht.

Was ist denn Besonderes am Sächsischen Bergsteigen im Vergleich zum Klettern in anderen Regionen?

Aus unserer Sicht handelt es sich beim Sächsischen Bergsteigen um eine entscheidende und reichhaltige Kulturform, die das weltweite Freiklettern begründet hat (Wiege des Freikletterns). 

Es gibt mehrere Arten von Immateriellen Kulturerbe. Welcher Art soll Sächsisches Bergsteigen werden?

Folgende Arten des Immateriellen Kulturerbe gibt es: mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksweisen; darstellende Künste; gesellschaftliche Bräuche, (jahreszeitliche) Feste und Rituale; Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum; traditionelle Handwerkstechniken und andere Arten. Das Sächsische Bergsteigen hat so viele Elemente, dass man es bei mehreren Kriterien zuordnen kann. Zum Beispiel wird der respektvolle Umgang mit dem Fels von Generation zu Generation weitergegeben. Den  traditionellen Handwerkstechniken lässt sich das Legen von Schlingen zuordnen. 

Wie erfolgt die Aufnahme als Immaterielles Kulturerbes?

Einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen schlagen ihre Kultur als Immaterielles Kulturerbe vor. Dies erfolgt in From einer Bewerbung. Jedes Bundesland wählt aus allen Vorschlägen bis zu vier Vorschlägen aus und leitet diese an die Kultusministerkonferenz weiter. Ein nationales Expertenkomitee der UNESCO prüft die Vorschläge und empfiehlt eine Auswahl. Im Anschluss bestätigt die Kultusministerkonferenz und der/die Bundesbeauftragte die Empfehlung.

Unter welchen Bedingungen kann der Titel als Immaterielles Kulturerbe wieder aberkannt werden? 

Eine Aberkennung kann es unter extremen Gründen z.B. Verletzung von Menschenrechten geben. Dies ist bisher einmal beim „Straßenkarneval von Aalst“ vorgekommen.

Geht es um nationales Immaterielles Kulturerbe oder Immaterielles Weltkulturerbe?

Mit diesem Antrag bezwecken wir „nur“ eine Aufnahme als nationales Immaterielle Kulturerbe. 

Weiterführende Links: 

Kriterien zur Aufnahme:https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-werden/aufnahmekriterien

Bewerbungsformular:https://www.unesco.de/sites/default/files/2021-03/Bewerbungsformular_Bundesweites-Verzeichnis_2021-22.pdf