Pressemeldungen | Sächsischer Bergsteigerbund

Pressemeldungen

  • Toter Fichtenwald – eine Bedrohung bei Waldbränden

    Fünf Thesen als Aufgaben für die Zukunft.

    Nur durch den aufopferungsvollen, mehrwöchigen Einsatz hunderter Feuerwehrleute trat bei dem verheerenden Waldbrand in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz eine noch größere Katastrophe nicht ein. „Die ernste Bedrohung vieler Dörfer beiderseits der Grenze und das Abbrennen von Häusern in Böhmen muss zu einem Überdenken der Totholz-Philosophie in einem dicht besiedelten Gebiet sowie zu vorbeugenden Maßnahmen zur Brandbekämpfung führen. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben,“ sagt Uwe Daniel, Erster Vorsitzender des SBB.

    Der großflächig abgestorbene Fichtenforst und das „Totholzmikado“ stellen ein luftgetrocknetes Brennmaterial dar, das kein oder kaum Wasser speichert und deshalb brandbeschleunigend wirkt. Dieses trockene Totholz wird bei entsprechenden Windstärken durch kilometerweiten Funkenflug zu einer Gefahr für Mensch und Natur. 

    Der Leiter der AG Natur- und Umweltschutz im SBB, Dr. Rainer Petzold, ergänzt: „Aktuell wird der Anteil des abgestorbenen Fichtenwaldes im Nationalpark mit jedem Jahr größer. Das Absterben greift derzeit auf die Vordere Sächsische Schweiz über, z.B. auf das Polenztalgebiet. Die verzögerte Zersetzung des trockenen Holzes führt in weiten Teilen des Nationalparks zu außergewöhnlich hohen Brandrisiken in Trockenzeiten. Die Vorgabe, abgestorbene Fichtenmonokulturen auf riesiger Fläche unangetastet zu belassen, trotz der hohen Brandlast, muss deshalb ernsthaft hinterfragt werden, da durch den Klimawandel eher trockenere statt feuchtere Perioden zu erwarten sind.“

    Der SBB hat deshalb fünf Thesen als Aufgaben für die Zukunft formuliert:

    1. Trockenes Fichtentotholz inkl. Feinreisig reduzieren und damit die Brandlast herabsetzen
      Stehendes und nicht bodenbündig aufliegendes Fichtentotholz inkl. trockenem Reisig ist ein Brandverstärker. Deshalb muss der Totholzanteil im gesamten NP, d.h. auch in der Kernzone, und insbesondere im Randbereich zur Wohnbebauung schrittweise und stetig reduziert werden.
    2. Brandschutzschneisen und Löschwasserzisternen einrichten
      Um die Bedrohung der Dörfer und Städte abzuwenden, müssen Brandschneisen und Brand­riegel mit Laubholz sowie Löschwasserzisternen zügig angelegt werden.
    3. Mit einem standortgerechten Waldumbau beginnen und neue Korridore schaffen
      Waldumbau mit standortgerechten Laubbaumarten und brandschutzwirksame Korridore führen sowohl zu einem effektiven Brandschutz als auch zu ökologischer Vielfalt. Das Konzept der forstlichen Ruhezone, die derzeit ca. 75 % der NP-Fläche umfasst und in der nach geltender Rechtslage keinerlei waldbauliche Maßnahmen ergriffen werden dürfen, ist überholt, auch weil in den abgestorbenen Fichtenmonokulturen die natürliche Wiederbewaldung aufgrund des weiträumigen Fehlens vieler standortgerechter Laubbaumarten nur schwer anspringt. In der Realität, d.h. draußen in der Natur sieht man – entgegen anders lautender Meldungen – vornehmlich Naturverjüngung durch Fichten auf den in den letzten Jahren durch Borkenkäfer betroffenen Flächen.
    4. Zur Brandschutzvorsorge konsequentes Freischneiden von Wegen ermöglichen
      Das vorsorgliche behutsame Freisägen von Wanderwegen und Bergpfaden (Wegekonzep­tion: Stufenplan A des SBB) erfordert bisher umfangreiche zeit­intensive Verwaltungsverfahren und Ausnahmegenehmigungen seitens der Landesdirektion Sachsen. Dieser Verwaltungsmarathon muss abgeschafft, die Genehmigungen müssen vereinfacht werden.
    5. Zur Brandschutzvorsorge historische, aktuell gesperrte Wege in der Kernzone wieder ausweisen
      Aus Waldbrandbekämpfungssicht ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Großen Zschandes für Einsatzfahrzeuge von der Neumannmühle grenzüberschreitend bis Mezní Louka vorzusehen. Außerdem müssen in der Kernzone zukünftig zusätzliche Wege für den Brandschutz zumindest fußläufig für eine Schlauchverlegung begehbar gehalten werden. Beispiele sind das Försterloch und der Grenzweg im Großen Zschand inkl. Raingrund.

    Damit diese Thesen in die Realität umgesetzt werden können, besteht bei entscheidenden Fragen Klärungsbedarf:

    • Ist die 30-jährige Entwicklungsphase von Nationalparks nach ihrer Gründung zu starr? Muss sie beim Nationalpark Sächsische Schweiz deutlich verlängert werden, um einen Waldumbau der Monokulturlandschaft u.a. aus Brandschutzgründen durchführen zu können?
      Das heißt jedoch nicht, den Wald flächendeckend von Totholz zu säubern – vielmehr geht es darum, dass in einer ersten Phase brandschutzwirksame Korridore um die Siedlungen und Dörfer entstehen.
    • Grundsätzlich und langfristig: Die Sächsische Schweiz ist ein seit 200 Jahren für Wanderer, Touristen und Kletterer touristisch erschlossenes Gebiet und liegt am Rande eines großen, besiedelten Ballungsraums im oberen Elbtal. Der Tourismus ist Lebensgrundlage vieler Einwohner. Nur ein Miteinander von Naturschutz, Tourismus und Bergsport wird erfolgreich sein. Ist das deutsche Nationalparkrecht in der Lage, regionalen Besonderheiten langfristig Rechnung zu tragen?

    Diese Fragen sollen mit unseren langjährigen Partnern Landrat Michael Geisler, den Bürgermeistern der Nationalparkregion und dem Tourismusverband besprochen werden, um den Verantwortlichen für unseren Nationalpark – bis zur Regierungsspitze – Vorschläge zu unterbreiten, welche die zahlreichen berechtigten Interessen berücksichtigen.

    Der Ehrenvorsitzende des SBB, Dr. Ulrich Voigt, fasst die Situation – unter dem frischen Eindruck der Waldbrandkatastrophe – mit folgenden Worten zusammen: „Wir hier in unserer Heimat brauchen keine Lehr- und Vorführ-Landschaft für „Natur-Natur-sein-lassen“ in einer kulturell geprägten, kleinräumigen mitteleuropäischen Region. Wir brauchen vielmehr eine erlebbare begehbare Heimat – für die Menschen, die hier zuhause sind und bleiben wollen, ohne dass ihre Existenz gefährdet wird.“

    für Rückfragen:

    Uwe Daniel (1. Vorsitzender)

    Dr. Ulrich Voigt (Ehrenvorsitzender)

    Dr. Rainer Petzold (Leiter der AG Natur- und Umweltschutz) 

    Dr. Peter Rölke (Vertreter der Bergsportverbände in der AG Wege des Umweltministeriums)

    Bildmaterial

    Nachfolgend finden sich zwei Bilder gelegt, die die Problematik recht gut visualisieren.