DAV-Expeditionskader

Seit dem Jahr 2000 fördert der DAV mit seinem Expeditionskader den Spitzenalpinismus und das leistungsorientierte Bergsteigen. Das Konzept dahinter: Talentierte, junge Nachwuchs-Alpinisten durchlaufen drei Jahre lang 10 bis 12 Ausbildungsblöcke und gehen abschließend auf eine gemeinsame Expedition. Seit 2011 gibt es neben dem Männer-Kader auch den Frauen-Expedkader. Weitere Informationen zu den Kaderjahrgängen oder auch wie man in den Kader kommen kann findet ihr beim DAV-Expeditionskader.

In die neue Auswahlmannschaft hat es 2020 unser SBB-Mitglied Rosa Windelband geschafft. Aus rund 30 Bewerberinnen konnte sie sich für die besten sechs qualifizieren, die diese Ausbildung machen können.

Eine Frau auf einem Berg mit Ski auf dem Rücken.
Rosa Windelband. Foto: Sebastian Friedemann

Wir haben Rosa Windelband im Februar 2021 zu ihrem Start im Expeditionskader interviewt:

Wie kam es dazu, dass du dich beworben hast?

Ich hatte das schon ziemlich lange im Kopf und hab die Kaderaktionen der letzten Jahre gespannt verfolgt. Und da waren echt coole Aktionen dabei, das hat mich motiviert, meine Idee einfach mal umzusetzen und mich zu bewerben.

Welche Voraussetzungen, Bewerbungsunterlagen und Nachweise waren dafür gefordert?

Erwartet wurde Erfahrung im alpinen Gelände sowie im Schnee und Eis und ein bestimmtes Kletterniveau. Die Bewerbung bestand dann aus einem Tourenbericht der letzten Jahre und einem Motivationsschreiben. 

Was ging dir durch den Kopf als du die Einladung zum Sichtungscamp bekommen hast und wie war das Camp dann? Was für Fähigkeiten musstest du dort unter Beweis stellen?

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich´s erfahren hab. Ich war mitten in der Sächsischen auf dem Weg zum Fels, als ich eine SMS von einer unbekannten Nummer bekam: „Hast du schon deine Mails gecheckt?“. Das hat mich dann doch verwundert und mit einer kleinen Vorahnung hab ich gleich nachgeschaut…und da war die Einladung! Das war eine schöne Überraschung und hat mich echt gefreut. An dem Klettertag war die Motivation dann gleich doppelt so hoch.

Leider mussten wir uns dann noch ganz schön gedulden, da das geplante Camp im Juni in Chamonix coronabedingt ausfallen musste. Im Oktober war es dann aber endlich soweit. 15 Mädels aus ganz Deutschland (naja ich muss zugeben, der Großteil war doch eher aus Süddeutschland), trafen sich voller Vorfreude auf eine spannende Woche in Mittenwald.

Wir hatten dann eine mega coole Woche im Karwendel und  Wetterstein. Es war schon etwas Besonderes, so viele gleichgesinnte Mädels zu treffen und gemeinsam auf Tour zu gehen.

Es gab zuerst einen Ausbildungstag, bei dem es um Standplatzbau, das Legen mobiler Sicherungspunkte und Seilschaftsklettern ging. Da war ich dank der jährlichen Fortbildung beim „Treffen junger Bergsteiger“ in Hohnstein gut vorbereitet! Außerdem liefen wir bei einem Berglauf um die Wette und gingen gemeinsam Drytoolen. Die restlichen Tage waren wir immer in kleinen Gruppen (zu zweit oder dritt) mit einem Bergführer oder einer Bergführerin auf Tour, wobei im Laufe der Woche möglichst viele verschiedene Gelände abgefragt wurden. Bei mir stand z.B. eine Mixedtour, eine selbstabzusichernde Mehrseillängenroute und die Überschreitung vom  Wettersteingrat auf dem Plan. Letzteres war ne spannende Aktion, die wegen ziemlich winterlichen Verhältnissen mit einem ungeplanten Biwak endete. Aber wir hatten viel Spaß dabei!

Das Sichtungscamp hat ja in Teilen auch schon einen gewissen Ausbildungscharakter. Was konntest du da schon für dich mitnehmen?

Oh richtig viel! Das ist einfach klasse, mit super erfahrenen Leuten auf Tour zu sein, da kann man rund um die Uhr was lernen. Ich hab vor allem viel zum Thema Tourenplanung und zur Abschätzung der Bedingungen gelernt. Da wir immer selbst alle Touren geplant haben, bei Fragen aber Rücksprache mit den Bergführern halten konnten, musste man sich gut Gedanken machen und organisieren, bekam dann aber auch direkt ein Feedback.

Wie ist die Expedkader Ausbildung aufgebaut?

Wir treffen uns jetzt regelmäßig für Trainingslehrgänge zu den verschiedensten Bergthemen und Bergdisziplinen, wir werden z.B. etwas zum Eisklettern, Bigwallklettern, Skitouren, Tradklettern, Technoklettern aber auch zur Bergrettung und und und lernen. Und zwischendurch immer einfach so oft es geht losziehen, um gemeinsam unterwegs zu sein und Abenteuer zu erleben. Ziel ist es, für unsere Abschlussexpedition zu trainieren, die wir auch selbst planen und organisieren werden.

Wann soll der erste Ausbildungslehrgang beginnen und was wird das Thema sein? Welche Lehrgänge warten sonst noch auf dich?

Tja, der sollte natürlich schon lange stattgefunden haben, aber wie so vieles mussten auch unsere Treffen coronabedingt abgesagt werden. Wir hatten ein paar Onlinetreffen. Aber Ende Februar kann es dann wirklich endlich losgehen. Und zwar mit einer Woche Eisklettern. Im März geht’s dann um Trainingsplanung und später geht’s gemeinsam an den Fels. Wir müssen schauen, was dieses Jahr mit den Beschränkungen so möglich ist, aber wir werden das Beste draus machen.

Ach, und ein Besuch der Mädels im Elbsandstein steht natürlich auch aus!

Auf welche Ausbildungsinhalte im Kader freust du dich am meisten?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Am meisten freue ich mich mit den Mädels als Team gemeinsam unterwegs zu sein. Und die Expedition wird natürlich das Highlight. Das ist schon cool, die Chance zu haben, eine große Expedition zu organisieren und durchzuführen, ich bin sehr gespannt, wo es uns hinverschlagen wird.

Welche Möglichkeiten hast du zuhause für die Vor- und Nachbereitung der Lehrgänge?

Es geht ja vor allem darum einfach fit zu sein, sowohl am Fels als auch konditionsmäßig. Für das Training fürs Abenteuerklettern haben wir ja hier im Sandstein die besten Voraussetzungen. Und an der neuen Trainingswand in unserem Garten kann man wunderbar mit Eisgeräten trainieren.

Welche Fähigkeiten sind noch nicht so gut entwickelt, woran möchtest du ein bisschen mehr arbeiten?

Im Eis habe ich z.B. noch nicht so viel Erfahrung, da kann ich noch ganz viel lernen! Aber eigentlich kann man ja in jeder Disziplin immer was dazulernen, das ist ja das Schöne dran.

Plant ihr als Exped-Team auch außerhalb der Lehrgänge gemeinsame Aktivitäten, z.B. zum Kennenlernen und aufeinander einstellen?

Ja auf jeden Fall. Wir verstehen uns super und waren auch jetzt schon wieder gemeinsam auf Tour. Immer  wenn jemand gerade Zeit hat wird rumgefragt, wer noch am Start ist.

Was ist dein persönliches Ziel für diese Ausbildung? Kannst du dir vorstellen, dass sie vielleicht auch Auswirkungen auf deine beruflichen Ziele hat? Einige ehemalige Teilnehmer haben ja z.B. danach die Bergführerausbildung gemacht.

Mein Ziel ist es, so viel wie möglich für mich mitzunehmen, um sicherer in jedem Gelände unterwegs sein zu können. Und vielleicht kann ich dadurch ja das ein oder andere Projekt, das ich im Kopf habe,  umsetzen. Der Kader ist eine tolle Chance, man lernt neben der ganzen Bergausbildung auch viele Menschen kennen und vielleicht öffnet sich ja die eine oder andere neue Tür dadurch.

Wir wünschen Rosa einen guten Start in die Expedkader-Zeit und werden immer mal wieder gemeinsam mit ihr davon berichten.