Archiv

Öffnungszeiten:

immer der 1. Mittwoch im Monat ab 15 Uhr
sowie nach Vereinbarung

Archivleiter: Albrecht Kittler

Archivmitarbeiter: Joachim Schindler

 

Es ist eine große Freude, wenn man ein lange gesuchtes Schriftstück, ein Bild oder einen sonstigen Hinweis in einem Archiv finden kann. Jeder der diese Freude einmal erlebt hat, versteht was ich meine. Das Weitersuchen geht mit neuem Elan voran. Vor allem, wenn kein Findbuch vorhanden ist oder eine sinnvolle Sortierung fehlt.

Warum haben wir aber beim Sächsischen Bergsteigerbund ein Archiv? Der allgemeingültige Spruch von der Kenntnis der Vergangenheit, die notwendig ist für das Verständnis des Heute und die Richtung für das Morgen gibt, mag da sicherlich passen. Offensichtlich war das auch schon den Altvorderen bewusst, denn schon kurz nach der Gründung  des SBB 1911 wurden Klubabzeichen gesammelt, die Gipfelbücher archiviert und in den 1920er Jahren kam eine Lichtbildsammlung hinzu. Richard Grunwald rief schon Ende der 1930er Jahre dazu auf, ein „Archiv des SBB“ zu installieren, in dem alle wichtigen Unterlagen zum Bund verwahrt werden könnten. Er führte Tagebuch über die Geschehnisse des Bundes. Martin Wächtler rief dann das Archiv ins Leben, wie der Zeitschrift „Der sächsische Bergsteiger“ Juni 1941 zu entnehmen ist. Die Zerstörung Dresdens 1945 und die Nachkriegszeit mit dem Vereinsverbot haben dieses Vorhaben noch in den Kinderschuhen zunichte gemacht.

Als Chronist und Archivar für das sächsische Bergsteigen hat Dietrich Hasse gewirkt, als der SBB durch das sozialistische Regime verboten war und jede Erinnerung an die Aktiven des sächsischen Bergsteigens, die nicht in das Klischee des Sozialismus passten, anrüchig war. Mit der Herausgabe des großartigen Buches „Felsenheimat Elbsandsteingebirge“ (1979) und dem darin enthaltenen Personenverzeichnis ist eine wichtige Lücke geschlossen worden.

Nach der Wiedergründung des SBB 1989 begann Gottfried Andreas das Thema Archiv neu aufzurollen. Er trug zusammen und begann zu ordnen. Die Lichtbildsammlung war der Grundstock. Die Chronik des sächsischen Bergsteigens, zusammengestellt durch Fritz Petzold, ist mit mehr als 10 Bänden das Herzstück des neuen Archivs. Für diese Chronik fertigte Gottfried Andreas bereits eine Schlagwort- und Namenskartei an, die den Inhalt der Bücher erst richtig erschließt. Immer mehr Unterlagen kamen hinzu, Bergfreunde, die zu Hause alte Dokumente aufbewahrt hatten, übergaben diese wieder der Allgemeinheit.

Helmut Claus (genannt „Mutz“) aus Weixdorf hat sich seit seiner frühen Jugend für die Geschichte des Bergsteigens interessiert. Er sammelte Klubabzeichen und Unterlagen, erst wahllos, dann immer zielbewusster. Den Bergfreund Windfried Dierske, einen bekannten Dresdner Künstler, lernte Helmut Claus in der 1950er Jahren kennen. Dierske hatte ebenfalls eine bereits viel größere Materialsammlung zum Thema Bergsteigen in Sachsen und begann, Mutz sein Wissen und auch schrittweise Material weiterzugeben. Schließlich übernahm Mutz die gesamte Sammlung von Windfried Dierske und begann sie systematisch zu vergrößern. Das Personenregister im Buch „Felsenheimat“ war Helmut dabei eine große Hilfe, so dass sein Karteikartensystem immer umfangreicher wurde. Nach zwei Kriterien waren die Karteien sortiert. Das erste Karteisystem war die reine Klubkartei, in der Informationen auch zu der Abzeichengeschichte zu finden sind. Die Personenkartei ist die umfangreichere. Hier hat Mutz in jahrelanger Recherche neben den Lebensdaten und Klettererfolgen, eventl. vorhandene Bilder oder Querverweise festgehalten. Nach mehreren Vorgesprächen mit verschiedenen Bergfreunden hatte sich Helmut Claus entschlossen, sein Archiv dem SBB 1999 zu übereignen. Als selbstständiger Teil des Archivs, in dem nach dem Willen des Stifters nichts mehr verändert werden soll, ist es nun als „Helmut-Claus-Archiv“ (kurz „Mutz-Archiv“ genannt) innerhalb des SBB-Archives erhalten.

Der bislang schlimmste Schock war die Überflutung der Geschäftsstelle des SBB und damit auch der Archivschränke im August 2002. Das Wasser stand etwa 50 cm hoch. Dem Engagement von vielen Helfern ist es zu danken, dass wesentliche Teile des Archives erhalten geblieben sind. In mühseliger Arbeit wurden Briefe, Bücher und Unterlagen getrocknet. Gemeinsam mit den getrockneten Gipfelbüchern wurden alle nassgewordenen Archivalien im Jahr 2003 einer Gamma-Strahlung unterzogen, die alle Pilze und sonstige schädliche Anhaftungen abtötet. Somit ist wieder eine gefahrlose Nutzung gegeben. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Deutsche Kulturstiftung in Berlin konnten Teile der Lichtbildsammlung und die ältesten und wichtigsten Gipfelbücher restauriert werden.

Ihr findet das Archiv in den Räumen des Vereinszentrums