Die Bergwacht Sachsen möchte sich zunächst bei allen Paten (Spendern) und Kletterklubs bedanken, die sich in den letzten Jahrzehnten finanziell wie auch mit Material und Arbeitszeit für den Erhalt und die Pflege der Selbsthilfeboxen eingesetzt haben. Die Selbsthilfeboxen enthalten Verbandszeug und eine Trage und wurden in den 1960er Jahren in der Sächsischen Schweiz installiert, um verunfallten Personen in der Sächsischen Schweiz schneller helfen zu können.
Die Betreuer der Selbsthilfeboxen beobachten leider vermehrt, dass diese beschmiert und ohne Grund ausgeräumt werden. Andererseits sind Einträge wie ‚Danke für ein Pflaster‘ in den Heftchen der Selbsthilfeboxen zu finden. Aufgrund dieser Ambivalenz überlegt die Bergwacht, wie es mit den Selbsthilfeboxen weiter gehen soll. Die Nutzungshäufigkeit der Boxen ist recht unterschiedlich. An wandertouristisch frequentierten Stellen werden oft Pflaster und Decken entnommen. An rein bergsteigerisch genutzten Orten (Heringstein, Backofen) wird auch über Jahre praktisch nichts verbraucht. Wir überlegen, ob die Boxenstandorte reduziert und an Brennpunkte im Gebirge versetzt werden sollten. Bei großer Entfernung zum nächsten Hauptweg könnten sie möglicherweise weiterhin sinnvoll und hilfreich sein und zusätzlich zu Präventionszwecken verwendet werden.
Im Mai 1989 erlebte ich meinen ersten Bergunfall am Gipfel Wilder Kopf. Als Jüngster der Truppe wurde ich zum Telefon geschickt. Das hieß, ich rannte hinab zum Beuthenfall, um vom Gasthaus den Bergunfalldienst anzurufen. Zwischenzeitlich hatten die Kameraden mit dem Material aus der Selbsthilfebox an der Wilden Zinne den Verunfallten versorgt und sich mit der Trage aus der Bergungsbox auf den Weg talwärts gemacht. Sie hatten den Nassen Grund fast erreicht, als Bergwacht und SMH (Schnelle Medizinische Hilfe, der Rettungsdienst der DDR) eintrafen.
Im Gegensatz zu damals ist es heute leicht und schnell möglich, über die 112 die Bergwacht zu alarmieren und wir stellen uns die Frage, ob die Selbsthilfeboxen noch zeitgemäß sind. Natürlich wird für die Älteren (siehe oben) eine Selbsthilfebox einen ganz anderen Stellenwert haben, sozusagen Teil der Tradition sein, während sie für die junge Generation ein Überbleibsel aus lange vergangenen Tagen darstellt.
Daher möchten wir mit euch über die Zukunft dieser Selbsthilfeboxen in einen Austausch treten und haben eine Umfrage entworfen. Wir freuen uns über eure Rückmeldung bis zum 30.08.2026, wie ihr die Funktion, den Bedarf und Nutzen der Selbsthilfeboxen in der Sächsischen Schweiz einschätzt. Solltet ihr eine Patenschaft für eine Selbsthilfebox aktiv ausüben, früher einmal als Pate eingetreten sein oder gern eine Spenden-Patenschaft in Zukunft übernehmen wollen, bitten wir euch, euren aktuellen Kontakt an bergwacht-abschnittsleitung@drk-sebnitz.de mitzuteilen. Bei Fragen oder wenn ihr Lust habt, uns bei der Betreuung der Selbsthilfeboxen zu unterstützen – könnt ihr euch gern melden.
Matthias Großer und Theresa Jensch
Umfrage zur Zukunft der Selbsthilfeboxen