Abruzzen

„Das Herz des Apennin ist nördlich der Alpen noch nahezu unbekanntes Terrain. In die Abruzzen rei­sen hauptsächlich Römer und andere gestresste Großstädter zum Skifahren, Wandern oder Baden.“ Dieser Einleitung für die Ankündigung eines neuen Abruzzenführers aus dem Hause Müller kann eine Vielzahl von SBB-Mitgliedern nicht zustimmen. Auch zahlreiche Leser der SBB-Bibliothek reisten in den vergangenen Jahren häufig dorthin und die Abruzzen sind für sie lange kein weißer Fleck auf der Landkarte. Wenngleich es die Bergfreunde weniger zum Baden oder Skifahren dorthin treibt, aber als Wanderregion und zum Bergsteigen sind die Abruzzen längst bekannt. Nun beherbergt die SBB-Bibliothek eine kleine Auswahl an Führern und Reisebeschreibungen der mittelitalienischen Landschaft, die bislang den Bedürfnissen der Reiselustigen nicht immer umfänglich gerecht werden konnte. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt ein handlicher Reiseführer von Sabine Brecht und Sven Talaron vom Verlag Michael Müller vorliegt, der einen weiteren Lückenschluss an Informationsmaterial für diese Region bietet.

Nach Italien zu reisen bietet natürlich immer auch eine Reise in Kultur- und Kunstgeschichte. Und die ist im rezensierten Fürer auch angemessen abgehandelt, sonst wäre das Büchlein nur halb so dick. Da man in Italien Kunst und Kultur kaum ausweichen kann, findet man auf fast jeder Seite Bezüge hierzu, kurz und knapp, aber mit allen erforderlichen Informationen im Rahmen eines Taschenbuchs, ergänzt durch eine Vielzahl von Landkarten und Stadtplänen.

Die Abruzzen sind nicht nur eine Bergregion, sondern es ist auch die angrenzende Adria mit den schönen Stränden die vor oder nach einer Bergfahrt zum Baden oder Schlemmen einladen. Schlemmen kann man aber auch im Landesinneren bei einem Vier-Gänge-Menü vielleicht in L’Aquilla oder ganz einfach in einer der zahlreiche Käsereinen im oder vor dem Dorf.

Aufgebaut ist der Abruzzenführer wie man es von einem gut gemachten seiner Art erwartet mit Informationen zu den beschriebenen Städten wie Übernachten, Essen/Trinken, Anreise, Sehenswürdigkeiten, Historischem, ergänzt mit Bild- und Kartenmaterial. Aber auch Natur- und Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten, sind doch auch die wichtigsten Wander- und Bergregionen wie der Gran Sasso und die von den meisten Touristen weniger besuchte Majella und das Gebiet von Monte Marsicano beschrieben. Jedoch ist es kein Wanderführer. Diesen sollte der Reisende sich vorab ergänzen, wenigstens als Wanderkarte. Ferner gibt es noch eine Anzahl gut gemeinter Reisetipps, wie zum Beispiel der Anreise, der Reise im Zielgebiet, von Übernachtungsarten, Hinweise für Besuche beim Arzt oder in der Apotheke und und und. Aber das gehört wohl wie seit 150 Jahren zum Bestandteil eines Reiseführers, auch im Zeitalter von Internet.

Alles in Allem, ein sehr gut gemachter Reiseführer, kompakt, informativ, für die Hosentasche ausreichend; verdientermaßen ausgezeichnet von der Italienischen Zentrale für Tourismus. Weitergehenden und noch ausführlicheren Informationen zum Gebiet sind bei Bedarf nicht abzuraten.

Falk Große