Alltag – Albtraum – Abenteuer: Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte

Der Haupttitel ist vielleicht nicht sehr vielsagend oder er lässt zu viel Spielraum für eigene Erwartungen. Der Untertitel beschreibt schon etwas näher das Anliegen des Buches und im Klappentext wird erläutert, dass die im Buch versammelten Beiträge zahlreiche Fächer von der Geschichte über die Literaturwissenschaft bis zur Kulturanthropologie repräsentieren, einen Bogen schlagen von der Steinzeit bis zur Gegenwart und es wird das Regionale neben die Berge der Welt gestellt. Es ist also ein Buch über die Beziehung der Menschen zum Berg vom Beginn der Zivilisation bis zur Gegenwart. Es kommen, ist zu lesen, die unterschiedlichen Sichtweisen, Epochen und Räume zur Sprache.

Aus dem Vorgenannten könnte man eine ganze Bibliothek mit dem Bezug Mensch – Berg vermuten. Aber es ist ein Buch mit 373 Seiten, ein Buch im wissenschaftlichen Stil geschrieben und daher ist es wohl gelungen, den Umfang dieser Thematik abzuhandeln. Es werden Beiträge zum ersten Montafoner Gipfeltreffen (7. – 11. Oktober 2013) unter dem Titel „Gebirgsüberschreitungen und Gipfelsturm“ zusammengefasst. Wie eingangs erwähnt, referierten die einzelnen Autoren über ein breites Spektrum, in welchem Beiträge zur Geschichte (Militär-, Sozial-, Wirtschafts-, Alpingeschichte) und zu Wissenschaften (Archäologie, Religion, Kunst, Philologie, Literatur, Kultur) abgehandelt werden.

Das Buch liest sich nicht wie eine nur Spezialisten vorbehaltene wissenschaftliche Abhandlung zu einem mathematischen Problem, die Thematik spricht auch einen interessierten Laienkreis gut an. Man muss sich aber Zeit nehmen und sich der Herausforderung stellen, einen manchmal auch vielleicht etwas trockenen, wissenschaftlichen Text zu lesen. Doch bei den Beträgen im Buch gelingt das in der Regel.

Es werden Aufsätze dargestellt, von deren Inhalt man natürlich schon gehört aber noch nicht in solcher Ausführlichkeit und Genauigkeit gelesen hat. Zum Beispiel: Hannibals Alpenüberquerung oder der Weg Alexander des Großen über den Hindukusch oder Marco Polo auf dem „Dach der Welt“ oder die Erstbesteigung des Piz Bernina oder Hitlers Gebirgsjäger auf dem Elbrus oder der lange Weg nach Lhasa von Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter oder mit dem Carbonstock in die Steinzeit. Dies nur als kleine Auswahl.

Man wird das Buch natürlich nicht in einem Ritt durchlesen, aber der Informationsgehalt ist für einen Bergbegeisterten enorm.

Falk Große