Wanderlust – Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir

„Die Sonn‘ erwacht, mit ihrer Pracht erfüllt sie die Berge, das Tal.
O Morgenluft, o Waldesduft, o goldener Sonnenstrahl!“

Dieses Wanderlied aus ‘Preziosa‘, vertont von Carl-Maria von Weber im Jahr 1820, ist musikalischer Auftakt der damals beginnenden Wanderzeit. Wandern wurde zum Inhalt zeitgemäßer Lebenseinstellung und fand von Anbeginn Einzug in Dichtung, Musik, bildenden Kunst, vor allem der Malerei. Auch heute wurde und wird Wandern erneut zum Zeitgeist, um der Hektik des Alltags zu entfliehen auch und gerade unter der jüngeren Wanderschar, die verstärkt in den vielen neuen Wanderführern – Wandern mit Kindern, mit Kinderwagen, mit Hund oder zur Kultur, zum Wein und was sonst noch alles – ihren Ausdruck findet.

Daher war es wohl naheliegend, eine Gemäldeausstellung mit Wanderbildern zu präsentieren. Dieser Aufgabe hatte sich die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin vom Mai bis September 2018 gestellt. Sie zeigte Gemälde von der Romantik bis zur klassischen Moderne, von Caspar David Friedrich bis Otto Dix. Wer die Ausstellung verpasst hat, dem sei der als Begleitbuch erschienene Katalog mit dem Titel „Wanderlust“ zu empfehlen.

Und es ist eine Lust durch das Buch zu wandern, vieles Bekanntes zu sehen aber noch viel mehr Neues kennen zu lernen. Es ist kein Bildband im herkömmlichen Sinne – den hätten wir nicht gekauft, weil Bildbände in der Bibliothek am wenigsten Interesse finden – sondern es ist ein kunsthistorischer Leckerbissen, werden den einzelnen Kapiteln erläuternde Essays vorangestellt, die die betrachteten Veranlassungen zum Wandern oder die erwanderten Regionen zum Inhalt haben. „Von der Wanderlust gelockt“ werden wir in die Ausstellung eingeführt von der Kunstwissenschaftlerin Birgit Verwiebe. Sie beschreibt auch das „Wandern im Sehnsuchtsland Italien“ das „Wie für Maler besonders hergerichtet“ war. Oder von Anna Marie Pfäfflin lesen wir zu den Wanderungen durchs malerische und romantische Deutschland im Aufsatz „Der Heimath zu / Ohn Rast und Ruh“. Auch werden die philosophischen Impulse, Rousseau’s „Zurück zu Natur“, von Gabriel Montua untersucht, die nach seiner Sicht Anlass des Wanderns um 1800 waren. Anette Dorgerloh beschreibt wandernde Malerinnen und Ernst Osterkamp lässt literarische Wanderungen in Klassik und Romantik zu Wort kommen.

Das Buch ist ein Augenschmaus, sehr lesenswert und vielfältig informativ.

Falk Große