Wilder Kaiser

Die Meisten aus unserer Region haben wahrscheinlich als erstes Alpenreiseziel den Wilden Kaiser gewählt oder sind auf dem Weg in die Dolomiten oder nach Arco dort vorbei gefahren.

Auch meine erste Begegnung mit den Alpen war der Wilde Kaiser, wenngleich unter völlig anderen Umständen und das lange vor der Wende. Wegen eines Sterbefalls durfte ich in den Westen nach Hamburg reisen. Doch die Rückfahrkarte hatte ich in Dresden über Rosenheim/Bayern gekauft. Die Zugfahrt am Tage längs durch die damalige BRD war schon großartig, aber die Rundfahrt mit meinem Freund aus DDR-Tagen in einem klapprigen Auto um den Wilden Kaiser von und nach Rosenheim war unbeschreiblich, weil sie, wie damals gedacht, erst wieder als Rentner möglich sein würde. Zum Glück kam es jedoch anders und ich war erneut im Wilden Kaiser!

Umso schöner für mich, das interessante, vielschichtige, reich bebilderte Buch vom Wilden Kaiser zu rezensieren. Es handelt laut Titelbild von „Sommerfrischlern, Kletterlegenden, Skipionieren und dem Bergdoktor“ und es umfasst „200 Jahre Alpingeschichte und Reisekultur“. Nun ein Umfang, der erst einmal in rund 250 Seiten gepresst werden muss. Aber wenn man den Blick auf das Wesentliche lenkt, kann es gelingen. Und es ist gelungen!

Der Autor Gebhard Bendler wirkte als Historiker an der Akademie der Wissenschaften in Innsbruck am Projekt der Erforschung der Tourismusgeschichte der Region Wilder Kaiser mit, auf der das rezensierte Buch aufbaut. Eigentlich erstaunlich, dass erst jetzt dieser Aspekt wissenschaftlich erforscht wurde, ist doch das Kaisergebirge ein Stück Tiroler Identität und war es auch ein Kapitel Münchener Alpinhistorie. Dargestellt wird die touristische Entdeckung und Erschließung mit der beginnenden Alpenbegeisterung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Erzählt wird von vorausschauenden, die Region nachhaltig prägenden Persönlichkeiten, Pionieren des Skisports, des Alpinismus – zum Beispiel die auch uns bekannte Namen Ludwig Purtscheller, Paul Preuß, Anderl Heckmair, Fritz Wiesner bis zu Alexander Huber und Adam Ondra – von Hütten- und Gastwirten, Regisseuren und Filmstars. Es wird die Entwicklung der Region bis heute dargestellt, einer hervorragenden Region, die Ihresgleichen sucht. Man kann das Buch vergleichen mit unserer „Bibel“ vom Elbsandsteingebirge von Hasse/Stutte, wenngleich letzteres aus meiner Sicht die Thematik noch tiefgründiger behandelt.

Das Buch liest sich kurzweilig, es ist optisch mit vielen guten Fotos und Grafiken aufgelockert, wobei es nicht überfrachtet wurde. Zwischen den Seiten 229 bis 232 ist die Bindung der Seiten fehlerhaft – man sucht irritiert die Fortsetzung des Textes.

Ein schönes Buch, das Lust macht den Kaiser erneut zu besuchen oder das Buch in der Bibliothek auszuleihen.

Falk Große