Mut und Kraft – Die Eroberung der Adersbacher Felsenwelt

Do Ádru!

„Auf nach Adersbach!“ werden jene mit Freude rufen, die nicht beim Klettern dort in den wilden Felsen von Mut und Kraft verlassen wurden und die gerade diese Herausforderungen suchen. Die anderen aber werden wohl lieber in Klettergebiete fahren, in denen es weniger anspruchsvolle und besser gesicherte Wege gibt. Doch gerade dieser Ruf prägt Adersbach, den Ruf nach Mut und Kraft. Und so ist gerade auch der Titel des Buches trefflich gewählt.

Das Buch erzählt in einer zeitgeschichtlichen Dokumentation von der Erschließung der Felsgebiete Adersbach und Weckelsdorf, beginnend in den 1920er Jahren, als Kletterer aus Sachsen, wie Fritz Wiesner und Otto Dietrich, das deutschsprachige Gebiet der Sudeten seinerzeit als erste besuchten und damals schon mit spektakulären Erfolgen von sich reden machten. Zunächst mussten sie jedoch aus Schlesien kommend quasi schwarz über die Grenze gehen, weil es für sie nach dem Ersten Weltkrieg keine Visa für die Tschechoslowakei gab. Und das erforderte zusätzlich einen Fußmarsch von 6 km in jede Richtung. Ihnen war das neue Klettergebiet jedoch so schnell ans Herz gewachsen, dass sie fast jährlich wieder dort kletterten. Wir sind heute in wenigen Stunden mit dem Auto vor Ort, aber mit dem Zug ist es auch heute noch fast eine Tagesreise wie damals.

Das Buch ist eine Übersetzung der tschechischen Originalausgabe „Pískaři“ an der 13 Jahre gefeilt wurde. Neben vielen tschechischen Autoren haben auch die drei uns gut bekannten Kletterer Dietriche Hasse, Werner Rump und Herbert Richter Beiträge verfasst. Wie Herbert Richter in seiner Einleitung schreibt, ist es jedoch das Verdienst von Bohomil Sýkora, „mit zähem Fleiß Beiträge eingetrieben, Bildmaterial zusammengetragen und verborgenen Zeugnisse der alten Tage aufgespürt zu haben“. Die Fotos sind durchweg schwarz-weiß, was die Ernsthaftigkeit der Kletterei unterstreicht sowie deren Eleganz hervorhebt.

Im Buch werden wir mitgenommen und emotional nicht mehr losgelassen von den ersten Erschließungen durch die Sachsen und Sudetendeutsche, später den Tschechen und erneut den Sachsen bis ins heute, wo die Tschechen das Feld dominieren. Doch das ist keine Wertung, hat doch die Klettergemeinschaft immer vom beidseitigen Miteinander gelebt. Das Miteinander fand und findet statt nach oder bei zweifelhaftem Wetter vor der Kletterfahrt beim Bier auf der Terrasse vom Buffet bzw. drinnen oder abends im Gewölbe. Heute auch in der Nähe anderer Bierhähne. Auch das ist es was die Adersbacher-Klettergemeinde zusammenhält und jährlich neu zusammenbringt – neben den wilden Felsen auch eine Schar wilder Kerle und heute sogar manch wilden Weibs.

Das Buch ist natürlich eine Hommage an alle Kletterer, doch es soll auch Anreiz sein einmal hinzufahren, um nur die Landschaft zu bewundern und das ist im Winter empfehlenswert, weil dann besonders märchenhaft.
Es ist ein Buch das in keinem Bücherschrank eines echten Adersbachliebhabers fehlen sollte! Als passendes Geschenk bietet es sich allemal an. Das Buch kann man im SBB kaufen oder in der Bibliothek ausleihen.

Falk Große