Monviso (Monte Viso)

Wenn’s im Winter regnet und nicht schneit, plane man die Urlaubszeit. Dafür sind manchmal ein paar Tipps von Freunden oder aus den Medien recht nützlich ein neues Ziel zu suchen. Im Sommer soll´s ja meist möglichst weit weg gehen, mindestens Australien oder so. Weit weg und hierzulande ziemlich unbekannt wären z.B. auch die im Piemont gelegenen Cottischen Alpen mit dem Monviso. Wer dem Touristenrummel in Südtirol, den Dolomiten oder in den Zentral-, Nord- und Ostalpen entgehen will, ist hier bestens aufgehoben. In dieser Bergregion beginnt sich die Natur ihren Besitz zurückzuholen. Doch das muss nicht immer gut sein, geht doch damit auch eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft verloren. Begonnen hat dies bereits vor knapp hundert Jahren. Waren die Täler am Monviso Mitte des 19ten Jahrhundert noch intensiv besiedelt, ging nach dem Ersten Weltkrieg die Bevölkerungszahl deutlich zurück und die Hälfte bis zwei Drittel der Häuser waren nicht mehr bewohnt. Nach den Zweiten Weltkrieg setzte sich die Entvölkerung weiter fort, die meisten jungen Menschen folgten den Ruf der Industrie (FIAT in Turin) und wanderten ab in die großen Städte. Etliche Dörfer zählten zur letzten Jahrhundertwende nur noch ein Zehntel der Einwohner von vor 150 Jahren. Erst seit den vergangenen Jahren kommen einige junge Leute wieder in die Dörfer, meist aber nicht um dort zu leben und zu arbeiten sondern um ihr Wochenende dort zu verbringen. Wenngleich dadurch auch einige Häuser wieder hergerichtet werden, ist der weitere Bevölkerungsschwund nicht aufzuhalten. Derzeit beträgt die Bevölkerungsdichte in den Tälern – besonders im Maira-Tal, dem Nachbartal des Valle Variata – ca. 2 Einwohner/m², das ist soviel wie in Alaska und man spricht auch von „buca nera“, eines der schwarzen Löcher Europas.

Wer also die Einsamkeit liebt und sich auf seiner Wanderung an engen Stellen nicht anstellen oder sich ungern bedrängen lassen will ist hier bestens aufgehoben, und es ist ein ganz besonderer Luxus, einen Tag lang für sich alleine wandern zu dürfen, mitten in Europa. Natürlich gibt es auch hier Wandermöglichkeiten. Als bedeutende Route führt die GTA (Grande Traversata delle Alpi) durch dieses Gebiet und es gibt eine 12-Tage Trekking Tour im Varaita-Tal. In dem neuen Wanderheft „12 Tage Trekking“ sind die einzelnen Etappen von 4 bis 8 Stunden ausführlich beschrieben mit begleitenden Routenkarten. Wer es bergsportlicher will, kann sich ja der Besteigung des Monviso 3841m stellen oder auf der GTA bis zum Mittelmeer wandern. Zu empfehlen sind auch die GTA-Führer von Werner Bätzing (F2537 und F2538) bzw. Iris Kürschner/Dieter Haas (F1150); alle Führer sind in der Bibliothek ausleihbar. Auch wenn hier wenige Wandersleute unterwegs sind, gibt es die erforderlichen Übernachtungsmöglichkeiten in rustikalen Gashäusern oder Posto Tappas am Ende einer Etappe. Dort kann man sich dann stärken an der legendären piemontesischen Küche und laben an einem Barolo Rotwein oder Co.

Hier noch Links zur weiteren Abrundung:
http://www.klingenfuss.org/gta_wege.htm
http://michael-kleider.de
http://www.vallidelmonviso.gov.it

Vielleicht sind das ein paar Schmankerln für den Sommerurlaub und wenn man nicht den Flieger nach Turin nimmt brauch man für die Anreise fast soviel Zeit wie nach Australien. Es lohnt sich auf jeden Fall.