Buchtipps

Ostalpen 3000

Erlebnistouren mit Kindern

Wanderlust

Allmountain #9

Ein Mann geht quer

Forststeigführer

Tiroler Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch

Bergblumen

Mut und Kraft – Die Eroberung der Adersbacher Felsenwelt

Pyrenäen

Bergsteigerdörfer

Sandsteinblogger Ausgabe 2

Wilder Kaiser

Karwendel

Schlagintweit-Brüder

Allmountain #5

Alltag – Albtraum – Abenteuer

Abruzzen

Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand Direttissima

Hochmut kommt vor dem Fall

4 Grate – 1 Gipfel: Pyramiden – ideale Berge!

Thüringer Bergsport – Das Murmeltier

Südtirol

Lehrbücher

Gipfel und Grenzen – Grenzenlose Gipfel

Monviso (Monto Viso)

Chronik von Mühlsdorf

Sandsteinblogger Ausgabe 1

Allmountain #2 und #3

Die Eroberung der Sächsischen Schweiz


23.10.2019

Ostalpen – 3000 drüber und drunter – 60 hohe Gipfel für Wanderer und Bergsteiger

Und, auf welchem Berg geht’s nächstes Jahr im Urlaub? Wie, noch keine Ahnung! Na ja es sind ja noch ein paar Monate bis dahin. Doch die schönsten Tage im Jahr sollten schon gut vorbereitet werden und so drängen sich verregnete Herbsttage zum Stöbern in der Bibliothek ja geradezu auf. In der BIBO gibt es zwischen den schier unzähligen Möglichkeiten einen Buchtipp für Bergwanderkletterer die nicht auf die höchsten Gipfel streben die aber auch nicht nur auf den einfachen Latschgipfeln ihr Bergglück suchen. So sei denn an dieser Stelle ein Bergwander-/Kletterführer aus dem Hause Rother jenen Bergwanderern empfohlen, die auch ein paar leichte Kletterstellen nicht scheuen oder diese gern suchen.

Der Führer nimmt uns mit in die Ostalpen, und Gipfel um die dreitausend Meter zwischen Lechtaler Alpen, Ortler, Berchtesgaden, Dolomiten und Tauern sind das Ziel der Begierde. Es werden 60 Touren beschrieben, mit Gipfelhöhen von 2.713 m (Watzmann) bis 3.645 m (Monte Vióz) und von Tagestouren mit 1.20 Stunden Spazierzeit oder 9.50 Stunden straffer Wanderzeit sowie auch 2- und 3-Tagestouren. Im Klappeneinband sind alle Touren übersichtlich, tabellarisch dargestellt mit den zu bewältigenden Höhenmetern der leichtesten Tour mit 250 m im Auf- und Abstieg bis zur schwierigsten mit 2.200 m im Auf- und 2240 m im Abstieg. Wie von Rother gewohnt, ist jede Tour ausführlich beschrieben und der Wegverlauf ist in einem kleinen Wanderkärtchen rot markiert. Gelungene Fotographien laden ein, gleich den Rucksack zu packen.

Die Autoren sind Andrea und Andreas Strauß, beide Fachübungsleiter für Hochtouren im Alpenverein, und sie haben bereits mehrere Wanderbücher verfasst; damit kann man sich auf die getroffene Gipfelauswahl verlassen.

So, der Anfang ist gemacht, jetzt braucht‘s nur noch das Buch fürs Studium und der Urlaub kann geplant werden.
In der Bibliothek ist das Buch unter F3125 ausleihbar.

Falk Große

23.07.2019

Gudrun Steinmetz: Erlebnistouren mit Kindern – Nördliches Franken

Renate und Roman Linhard: Erlebniswandern mit Kindern – Nürnberg-Fränkische Schweiz

Unter dieser Rubrik findet Ihr eine große Anzahl von Büchern zu Gebieten des In-und Auslands in unserer Bibliothek. Der Bergverlag Rother steuert zwei neue Bücher über das Wandern mit Kindern in den Regionen „Nördliches Franken“ sowie „Nürnberg – Fränkische Schweiz“ bei.
In altbewährter Manier werden kindgerechte Familienwanderungen, Stadtspaziergänge oder Kanutouren beschrieben. Die Wanderrouten führen durch tiefe Schluchten zu urigen Felsformationen und interessanten Grotten und Höhlen, mittelalterlichen Burgen, durch Wildparks, zu Erlebnisbauernhöfen. Damit den Kindern unterwegs nicht langweilig wird, sorgen Erlebnisspielplätze, Klettergärten, Rodelbahnen, Wasserspielplätze, Tierbegegnungen für Abwechslungen. Was mir besonders gefallen hat: zu jedem Wandervorschlag gibt es ein farbig hervorgehobenes Kästchen für Kinder, in dem Wissenswertes und Besonderheiten der Wanderung interessant dargestellt sind. So kann man schon im Vorfeld das Interesse wecken. Wanderkarten, Höhenprofile und GPS-Daten helfen den Eltern und Großeltern und gewiss auch die Schlechtwettertipps.

Mit Wanderungen in diesem Stil kann man hoffentlich den Nachwuchs für die Bewegung in der Natur begeistern und von Fernseher und Smartphone weglocken.

In der Bibliothek ist „Nördliches Franken“ auszuleihen unter F3878 und „Nürnberg-Fränkische Schweiz“ unter F3879.
Christel Otremba

14.05.2019

Wanderlust

Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir

Hirmer-Verlag, München, 2018

„Die Sonn‘ erwacht, mit ihrer Pracht erfüllt sie die Berge, das Tal.
O Morgenluft, o Waldesduft, o goldener Sonnenstrahl!“

Dieses Wanderlied aus ‘Preziosa‘, vertont von Carl-Maria von Weber im Jahr 1820, ist musikalischer Auftakt der damals beginnenden Wanderzeit. Wandern wurde zum Inhalt zeitgemäßer Lebenseinstellung und fand von Anbeginn Einzug in Dichtung, Musik, bildenden Kunst, vor allem der Malerei. Auch heute wurde und wird Wandern erneut zum Zeitgeist, um der Hektik des Alltags zu entfliehen auch und gerade unter der jüngeren Wanderschar, die verstärkt in den vielen neuen Wanderführern – Wandern mit Kindern, mit Kinderwagen, mit Hund oder zur Kultur, zum Wein und was sonst noch alles – ihren Ausdruck findet.

Daher war es wohl naheliegend, eine Gemäldeausstellung mit Wanderbildern zu präsentieren. Dieser Aufgabe hatte sich die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin vom Mai bis September 2018 gestellt. Sie zeigte Gemälde von der Romantik bis zur klassischen Moderne, von Caspar David Friedrich bis Otto Dix. Wer die Ausstellung verpasst hat, dem sei der als Begleitbuch erschienene Katalog mit dem Titel „Wanderlust“ zu empfehlen.

Und es ist eine Lust durch das Buch zu wandern, vieles Bekanntes zu sehen aber noch viel mehr Neues kennen zu lernen. Es ist kein Bildband im herkömmlichen Sinne – den hätten wir nicht gekauft, weil Bildbände in der Bibliothek am wenigsten Interesse finden – sondern es ist ein kunsthistorischer Leckerbissen, werden den einzelnen Kapiteln erläuternde Essays vorangestellt, die die betrachteten Veranlassungen zum Wandern oder die erwanderten Regionen zum Inhalt haben. „Von der Wanderlust gelockt“ werden wir in die Ausstellung eingeführt von der Kunstwissenschaftlerin Birgit Verwiebe. Sie beschreibt auch das „Wandern im Sehnsuchtsland Italien“ das „Wie für Maler besonders hergerichtet“ war. Oder von Anna Marie Pfäfflin lesen wir zu den Wanderungen durchs malerische und romantische Deutschland im Aufsatz „Der Heimath zu / Ohn Rast und Ruh“. Auch werden die philosophischen Impulse, Rousseau’s „Zurück zu Natur“, von Gabriel Montua untersucht, die nach seiner Sicht Anlass des Wanderns um 1800 waren. Anette Dorgerloh beschreibt wandernde Malerinnen und Ernst Osterkamp lässt literarische Wanderungen in Klassik und Romantik zu Wort kommen.

Das Buch ist ein Augenschmaus, sehr lesenswert und vielfältig informativ.

Falk Große

„Wanderlust“ kann in der SBB-Bibliothek unter P0429 ausgeliehen werden


07.01.2019

Allmountain #9

Muss das sein? dass es uns nicht erhalten bleibt, dass es von uns geht, in einem hoffnungsvollen, jungen Alter, mit neuen Ideen, in neuer Aufmachung? Seit 2014 konnten wir uns mit nunmehr neun Ausgaben am Bergsportmagazin von Stefan Glowacz erfreuen, und es waren immer interessante Beiträge, meist gebündelt in spezielle Schwerpunktthemen wie zum Beispiel Rausch, Kunst, Seilschaften und andere. Ist nun wohl das Schwerpunktthema von der letzten Nummer 9 „Verzicht – Muss das sein?“ bewusst gewählt, weil wir auf weitere Ausgaben verzichten müssen? Man sollte es fast glauben. Schade! Gehen die Guten immer zu früh. Offiziell gab es zu wenige Abonnenten – nun, da sind wir unschuldig. Aber die Konkurrenz ist natürlich auch auf diesem Markt hart umkämpft und sollten dann vielleicht auch Anzeigen ausbleiben, geht es ans Eingemachte.
So, jetzt ist genug geklagt, wenden wir uns der letzten Ausgabe zu und die ist es wieder wert zu lesen.

Schaun´ wir mal in den Schwerpunkt „Verzicht“. Das Thema wieviel Komfort eine Berghütte braucht, wurde schon oft abgehandelt, wird vor Ort meist emotional diskutiert und ist Gegenstand seit dem Bau der ersten Berghütten, einmal abgesehen von den allerersten Schutzbehausungen.
Unter Verzicht ist auch zu lesen, der Verzicht auf Kletterschuhe. Mit Staunen wird beschrieben, dass ein junger Kletterer aus Fontainbleau unten ohne unterwegs ist und die schwersten Boulder meistert! Für uns sächsische Kletterer ist das ja keine neue Erkenntnis, wurden doch die meisten der schwierigsten Wege vor der Zeit moderner Kletterschuhe auch barfuß geklettert. Hier hat man ja sofort Bernd Arnold barfuß vor seinem geistigen Auge. Meist war es jedoch kein bewusster Verzicht, sondern einer aus der Not heraus, weil die handelsüblichen Kletterbatten für schwierigste Wege einfach unbrauchbar waren. Dieser Blick in die Sächsische Schweiz fehlt jedoch, die Autorin hat hier zu kurz recherchiert.
Tom Dauer philosophiert über grundsätzliche Arten von Verzicht im Bergsport und seinen Disziplinen. Einen Teil von Verzicht, den auch wir gut kennen, der Bestandteil unserer sächsischen Kletterregeln geworden ist, Verzicht auf künstliche Hilfsmittel, Verzicht auf Klemmkeile, Friends und Magnesia, Verzicht zu geringer Ringabstände oder Verzicht am nassen Sandstein zu klettern oder wenn seltene Vogelarten ihre Brutzeit haben.

Aber es geht im Heft nicht ausschließlich um Verzicht. Der Senkrechtstarter Jan Kobusch, der in nur zehn Jahren mit jetzt 26 an die Spitze der Elite geklettert ist, wird im Interview vorgestellt. Auch der alte Haudegen Carlos Soria wird befragt. Er wird im Februar 80, denkt aber nicht daran, den Achttausendern, von selbigen ihm nur noch zwei fehlen, den Rücken zu kehren. Auch lernen wir, wie Merinowolle den Markt der Outdoor-Bekleidung erobert oder wie wagemutige Skialpinisten den Laila Peak auf 50 – 55 Grad steiler Abfahrt herunter wedeln. Wir können uns auch beim Klettern im überhängenden Eis hinter einem Wasserfall oder an bizarren Eiszapfen gruseln, das heißt, uns schaudert´s beim Betrachten der Fotos.

So, das wär´s mit Allmountain, leider. Aber wir haben ja noch die Zeitschriften 1 bis 8, in denen es für jene, die darin noch nicht gelesen haben, Interessantes zu entdecken gibt.

Allmountain kann man in der BIBO unter Z01 ausleihen.

Falk Große


18.10.2018

Ein Mann geht quer

Von der Mur über die Alpen bis zum Ligurischen Meer

von Jörg Dulsky

Eigentlich geht Jörg Dulsky ja längs, doch dann wäre der Titel nicht so knackig. Quer geht man ja bereits oft, quasi wie zum Bäcker nebenan, wenn man die zahlreichen Publikationen vergleicht. Aber wer geht schon längs der Alpen? Vielleicht gibt es auf diesem Weg weitere Wanderer, aber kaum einer geht wohl an einem Stück die 1.500 km – Respekt! – und macht anschließend seine Wanderung auch publik.

Vielleicht braucht es dafür einen ganz besonderen Auslöser, wenn jemand von einem auf den anderen Tag seinen Job und seine Firma hinschmeißt, sich in Frohnleiten an der Mur in der Steiermark die Wanderstiefel anzieht und in Nizza am Mittelmeer nach 100 Tagen und 55 Pässen wieder auszieht um ins Wasser zu steigen. 1.500 km sind rechnerisch 15 km jeden Tag, manchmal viel mehr, weil es auch Ruhe- und Krankentage gab, bei jedem Wetter, auch bei Dauerregen und Schnee bis weit in den Mai – auch bei uns war das Frühjahr 2013 extrem nass (Hochwasser) – und durch jedes Gelände, fast immer allein. Allein muss ja kein Nachteil sein, ist man doch nur auf sich selbst gestellt, braucht niemanden hinterherlaufen oder muss warten, Diskussionen unterwegs über den weiteren Weg gibt es auch keine, auch keine Vorwürfe, wenn der Weg mal nicht richtig war. Aber es gibt auch keinen Ansporn eines Begleiters, wenn Stimmung und Physis im Keller sind.

Jörg Dulsky beschreibt humorvoll, selbstironisch, nachdenklich seine Wanderung mit Pannen, Ängsten, Zweifeln wie vielen schönen Erlebnissen. Und er erzählt auch von der Wirkung der Wanderung auf sein Ich. Das Buch ist locker geschrieben, man kann es quasi in einem Ritt durchlesen und würde am liebsten nach dem Schluss weiterlesen. Doch vielleicht gibt es nach diesem Debüt eine Fortsetzung, denn Jörg Dulsky ist ja bereits erneut auf großer Tour. Warum er sich aber von seiner Karriere als Firmeninhaber und Geschäftsführer verabschiedete mag jeder selber lesen. War es Midlife-Crisis, Burnout, enttäuschte Liebe oder etwas ganz anderes?

Das Buch ist unter E0791 in der Bibliothek ausleihbar.

Falk Große


30.08.2018

Forststeigführer

Trekking in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz

von Peter Rölke

Pünktlich zur offiziellen Eröffnung des Forststeigs liegt er vor, der Forststeigführer aus dem Hause Rölke. Mit dem Wanderführer im Gepäck kann sich jetzt niemand verlaufen.

Vielen wird ja bereits bekannt sein, dass es sich bei dem Forststeig um einen vom Sachsenforst neu eingerichteten Wanderweg handelt, der auf ca. 110 km Länge durch das linkselbische Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz verläuft. Der Forststeig führt durch weites, einsames Waldgebiet über aussichtsreiche Tafelberge und Felskuppen, auf und ab durch teilweise tief eingeschnittene Täler. In acht Tagesetappen kann die gesamte Länge des Forststeigs begangen werden. Voraussetzungen sind gute Kondition und Ausdauer. Übernachtet wird in für die Wanderer vom Sachsenforst eingerichteten Wanderhütten und auf Biwakplätzen. Im Rölkeführer sind aber auch Zwei-, Drei- und Eintagestouren beschrieben, die weniger Aufwand erfordern.

Der Forststeigführer ist – wie in der aus dem Hause Rölke gewohnten Art und Weise – sehr gut gestaltet. Die Einzelkarten jeder Etappe sind übersichtlich dargestellt, mit Anmerkungen zu Besonderheiten entlang der Route, so dass jeder den Weg finden wird, sind doch auch die örtlichen Wegmarkierungen mit einem gelben Strich gekennzeichnet. Im Führer befinden sich zur Wegbeschreibung zahlreiche Hinweise, Beschreibungen und Erläuterungen zur Geschichte, Kultur und Natur.

Neben den oben genannten Beschreibungen sind weitere praktische Hinweise im Führer enthalten, zum Beispiel: Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Ausstattung der Übernachtungsmöglichkeiten, Mitnahme von Proviant und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe des Forststeigs, Ausrüstung bei Regen und Nässe, Tipps zum Feuermachen der Holzöfen in den Hütten und Weiteres. Für eine Übernachtungen in der Trekkinghütte oder auf einem Biwakplatz sind Trekkingtickets erforderlich (Hütte pro Nacht: 10€/Erwachsener bzw. 1 €/Kind; Biwakplatz pro Nacht: 5 €/Erwachsener bzw. 1€/Kind). Die Tickets sind vor der Wanderung zu erwerben (Möglichkeiten zum Kauf sind im Führer erwähnt).

Mit all den Informationen ausgerüstet sollte die Wanderung gut gelingen.

Den Führer kann man in der Bibliothek unter S0607 ausleihen oder auch beim SBB kaufen.

Falk Große


26.06.2018

Das Tiroler Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch

von Hubert Gogl

„Früh wenn die ersten Hähne krähn‘, wandern wir schon durch den grünen Wald.
Da ist die Welt so wunderschön und hell ein frohes Lied erschallt…“

Mit einem frohen Wanderlied auf den Lippen lässt es sich zu jeder Jahreszeit gut wandern, egal ob in der Sächsischen Schweiz, auf dem Rennsteig oder in Tirol. Für Tirol gibt es jetzt das Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch, was sehr praktisch ist, denn im Hochgebirge sind die Anforderungen an eine genussvolle Wanderung in jeder Jahreszeit von besonderen Bedingungen geprägt; kürzere Tage im Frühling und Herbst, heiße Tage im Sommer und natürlich verschneite Wanderwege im Winter.

Hubert Gogl, Berg-, Skiführer wie Allround- Bergsteiger, kennt natürlich Nordtirol von Kindesbeinen an und gibt Empfehlungen, auf die sicher Verlass ist. Im Klappentext lesen wir: “Welche Wege führen durch mittlere Höhenlagen, fangen die Sonne ein und sind vielleicht schon zeitig oder noch spät im Jahr schneefrei? Wo grünt und blüht es im Frühling zuerst? Welche Routen versprechen im Hochsommer mit Bächen, Bergseen oder Gletscherluft Abkühlung und Frische? Auf welche Aussichtspunkte kann man noch steigen, wenn die Tage schon kürzer sind? Und wo lässt sich im Winter auch ohne Ski am schönsten wandern?“

Rund hundert Wanderungen sind für eine so große Region wie das gesamte Nordtirol wohl nicht gerade viel, aber unter Berücksichtigung der vier Jahreszeiten wiederum angemessen. Wie in einem guten Führer seiner Art sind alle Touren mit Angaben zu Anreise, Schwierigkeit, Wegcharakter und Einkehrmöglichkeiten genau beschrieben. Kartenausschnitte mit eingezeichnetem Wegverlauf bilden die Ergänzung zur Karte in Papier oder auf dem Smartphone. Manche Wanderung führt in einen stillen, besonders schönen Winkel, der dem Massentourismus ausweicht. Alle Touren sind auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und so sind Touren, die nicht am Start enden, gut zu absolvieren.

Dem frohen Lied auf dem Heimweg „…Wir sind hinaus gegangen, den Sonnenschein zu fangen, kommt mit und versucht es doch auch einmal!“ dürfte somit nichts entgegenstehen.

Falk Große

Das Wanderbuch ist auszuleihen in der Bibliothek unter F3579.


29.03.2018

Bergblumen

Anliegen und Aufgabe einer Bibliothek ist es auch, historische und/oder künstlerisch wertvolle bibliografische Raritäten zu sammeln, der Nachwelt zu erhalten und der Leserschaft zugänglich zu machen. So haben wir in unserer SBB-Bibliothek auch viele historische Reise-, Wander oder Kletterführer, Reisebeschreibungen und Erlebnisberichte sowie auch eine große Anzahl historische Landkarten. Selbst wenn historisches Material eher selten ausgeliehen wird, bilden besonders sie doch einen hohen Wert unseres Bestandes. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Schriftenreihe des Gebirgsvereins für die Sächsisch-Böhmische Schweiz „Über Berg und Thal“, in der sehr viele geschichtliche Informationen enthalten sind, auf die man heute immer noch gern zurückgreift, entweder aus wissenschaftlichen, zeitgeschichtlichen oder regionalen Interessen.

In diesem Zusammenhang erfreut es uns von der Bibliothek ganz besonders, wenn wir eine große Kostbarkeit in unseren Bestand aufnehmen dürfen: zwei Büchlein der Reihe „Bergblumen, illustrierte Blätter der ´Section Strehlen´ des Gebirgsvereins für die Sächsisch-Böhmische Schweiz“. Gespendet wurde uns dieser Schatz von Dietmar Heinicke – auch von dieser Stelle nochmals ein großer Dank! Neben diesen beiden „Bergblumen“ waren weitere wertvolle historische Reisebeschreibungen und Zeitschriften Teil der Spende von Dietmar. Auch in zurückliegenden Jahren hatte er der Bibliothek dankenswerter Weise Bücher der Reihe „Über Berg und Thal“ gespendet.

Doch nun zu den „Bergblumen“. Als ich zum ersten Mal ins Buch schaute war ich begeistert. Ein gedrucktes Buch handgeschrieben (!) und mit vielen Graphiken resp. Zeichnungen versehen, jede Graphik ein kleines Kunstwerk! Aber auch der Inhalt ist bemerkenswert, werden wir doch mitgenommen in die Zeit unserer Großväter und Urgroßväter in die Jahre 1888 bis 1891. Und wir gehen mit in die Region, die wir doch gut zu kennen meinen und in der vieles seither wieder vergessen oder verloren gegangen ist, in ein nahes oder wenig entferntes Gebiet um Dresden bzw. Dresden-Strehlen. Damals war Strehlen noch nicht nach Dresden eingemeindet, das fand erst 1892 statt. Das Dorf Strehlen hatte sich in dieser Zeit gerade zu einem von der Oberschicht gesuchten Wohnort entwickelt. Verglichen mit der Einwohnerzahl von heute war Strehlen seinerzeit sehr überschaubar und umso erstaunlicher ist es, dass sich damals quasi im Dorf die Sektion Strehlen des Gebirgsvereins für die Sächsisch-Böhmische Schweiz gegründet hatte. Und wer hat die „Bergblumen“ gepflanzt? Lesen wir was die Sektion Strehlen selbst dazu sagt: „Die in diesem Dorfe begründete Sektion Strehlen hat aber in ihrer unmittelbaren Nähe keine Berge und Thäler, auf und in denen sie nach gebräuchlicher Sitte der Gebirgsvereine für Ruhebänke, Wegweiser, Aussichtspunkte und dergleichen sorgen könnte. Doch die unter der Leitung eines von den Aufgaben und idealen Zielen der Gebirgsvereine warm begeisterten Obmannes, unseres E.W. Zöllner stehende Sektion fühlte das Bedürfnis, auch etwas zu schaffen, was unserem Gebirgsverein nützen und Freude der Natur und der geschichtlichen Forschung erfreuen könnte. Da kam sie auf den ungewöhnlichen Gedanken, „Bergblumen“ zu pflanzen, d. h. eine kleine illustrierte Monatsschrift mit Zeichnungen, die sich auf unser Vereinsgebiet beziehen und welche der geniale, akademisch gebildete Dekorationsmaler Herr W. Eckard herstellt, unter der Redaktion ihres Zöllner herauszugeben. …“ [1] Ein löblicher Vorsatz, dem Geiste des Gebirgsvereins an der Erschließung des Elbsandsteingebirges und seiner Regionen mitzuwirken, wenngleich wie hier auf künstlerisch-kulturellem Gebiet. Bereits kurz nach der ersten Ausgabe gab es bereits viele Liebhaber der „Bergblumen“ und auch der Hauptverband des Gebirgsvereins interessierte sich für den Blumenstrauß. Selbst das sächsische Königshaus, dessen Villa auch in der Gemeinde Strehlen lag, hatte Interesse an den „Bergblumen“ gefunden. Allerdings ist auch in der Vereinszeitschrift „Über Berg und Thal“ häufig zu lesen, dass die Sektion Strehlen um Förderzuwendungen zur Kostendeckung für die „Bergblumen“ durch den Gesamtverein nachsucht. Auch wird befürchtet, dass die „Bergblumen“ dem Vereinsorgan „Über Berg und Thal“ „eine bedenkliche Konkurrenz bieten“ [2] könne. Daraus kann man auch die gute Qualität der „Bergblumen“ ableiten.

Was aber waren die Ursachen für beständige Geldnöte der „Bergblumen“? Aus heutiger Sicht und sicher auch in jener Zeit, war die Aufmachung bzw. das Layout nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr wirtschaftlich, nicht mehr ökonomisch. Eine Zeitung von Hand zu zeichnen, von Hand zu schreiben und dann zu drucken war sicher auch in den Jahren vor 1890 schon ziemlich elitär – aber trotzdem schön. Viele wussten das zu schätzen und waren bereit, auch ihren Teil der Herstellungskosten mit dem Verkaufspreis zu tragen. Doch es musste fortwährend um eine stabile Käuferschaft gerungen werden. Um Kosten zu sparen, wurden ab Ausgabe November 1888 maßgebliche Texte nicht mehr von Hand geschrieben sondern im Buchsatz gedruckt. Nun, das mag uns heute enttäuschen, aber wir müssen es als Versuch werten, die „Bergblumen“ mit frischem Wasser zu gießen und zu erhalten.

Nachdem sich 1892 das Dorf Strehlen hat eingemeinden lassen (müssen) – weil es die monetäre Beihilfe der Großstadt Dresden für die Hochwassersicherungsmaßnahmen des Kaitzbaches benötigte – war die Einverleibung der Sektion Strehlen in den Gesamtverband der Sektion Dresden nur eine logische Folge des Anschlusses vom Dorf Strehlen an Großdresden. Die Folge der Folge war das langsame Austrocknen und Verwelken der „Bergblumen“ und mit der Juni-Ausgabe 1892 war die Zeit leider abgelaufen.

Wodurch zeichnet sich die „Bergblume“ besonders aus? In den ersten Ausgaben war es die Symbiose von Graphik und Schreibschrift im Druckbild. Anschließend waren es noch immer die gelungenen Graphiken. Nach Erfindung des Buchdruckes war es eher üblich, das Wort in Buchdrucklettern zu setzen. Was machten aber die Bergblumenautoren? Sie machten alles von Hand! Und wie? „Die Erläuterungen zu den Zeichnungen autgraphierte Herr Eckardt selbst mit lithographischer Tinte, beides, Zeichnung und Text, wurde auf Zinkplatten umgedruckt und so auf gewöhnlichen Wege des Zinkdruckes vervielfältigt.“ [3] Das liest sich zunächst einfach aber es bedarf eines großen handwerklichen und künstlerischen Geschicks, um zu hochwertigen Ergebnisses zu gelangen. Verglichen mit heute, wo quasi jeder sein eigener Drucker sein kann, ist der manuelle Aufwand verschwindend gering aber der technisch, technologische Hintergrund enorm. Zunächst musste die Hardware, d. h. Computer, Drucker, -toner, -tinte erfunden werden mit der jeweilig zugehörenden Software. Das alles nehmen wir bereits als alltägliche Gegebenheiten wahr. Aber keine am Computer entwickelte Zeichnung/Graphik kann sich wohl mit einem manuell erstellten Druck (Lithographie, Radierung, Kupfer-/ Stahlstich u.w.) vergleichen, weil im Computerdruck die Seele des Steindruckers, des Kupferstechers, des Künstlers fehlt.
Interesssant waren seinerzeit Themen, die heute aus unserer Wahrnehmung eher verschwunden scheinen, wie beispielsweise die Heraldik regionaler Adelsfamilien, Sagen aus dem Vereinsgebiet oder Standorte von Stein-/Sühnekreuzen und deren Hintergründe. Aber auch Themen, die immer noch ein breites Publikum finden, wie Burgen und/oder deren Ruinen, Rittergüter und viel dergleichen mehr. Heimat, kurz gesagt und daher so wertvoll für uns!

Die „Bergblumen“ sind von der ersten Ausgabe Januar 1888 bis zur letzten Juni 1892 (außer 1-4, 6, 10/1888) im Bestand der SLUB und dort online als PDF-Datei abrufbar:
Band 1-3/1886-1888, Band 4-7/1889-1892
Im SBB sind die „Bergblumen“ 1-12/1888 und 1-12/1889/1890/1891 bedingt auszuleihen unter H0175A, H0175B.

Falk Große

[1]       „Über Berg und Thal“ Nr.   96
[2] [3] „Über Berg und Thal“ Nr. 130


18.01.2018

Mut und Kraft

Die Eroberung der Adersbacher Felsenwelt

Do Ádru!

„Auf nach Adersbach!“ werden jene mit Freude rufen, die nicht beim Klettern dort in den wilden Felsen von Mut und Kraft verlassen wurden und die gerade diese Herausforderungen suchen. Die anderen aber werden wohl lieber in Klettergebiete fahren, in denen es weniger anspruchsvolle und besser gesicherte Wege gibt. Doch gerade dieser Ruf prägt Adersbach, den Ruf nach Mut und Kraft. Und so ist gerade auch der Titel des Buches trefflich gewählt.

Das Buch erzählt in einer zeitgeschichtlichen Dokumentation von der Erschließung der Felsgebiete Adersbach und Weckelsdorf, beginnend in den 1920er Jahren, als Kletterer aus Sachsen, wie Fritz Wiesner und Otto Dietrich, das deutschsprachige Gebiet der Sudeten seinerzeit als erste besuchten und damals schon mit spektakulären Erfolgen von sich reden machten. Zunächst mussten sie jedoch aus Schlesien kommend quasi schwarz über die Grenze gehen, weil es für sie nach dem Ersten Weltkrieg keine Visa für die Tschechoslowakei gab. Und das erforderte zusätzlich einen Fußmarsch von 6 km in jede Richtung. Ihnen war das neue Klettergebiet jedoch so schnell ans Herz gewachsen, dass sie fast jährlich wieder dort kletterten. Wir sind heute in wenigen Stunden mit dem Auto vor Ort, aber mit dem Zug ist es auch heute noch fast eine Tagesreise wie damals.

Das Buch ist eine Übersetzung der tschechischen Originalausgabe „Pískaři“ an der 13 Jahre gefeilt wurde. Neben vielen tschechischen Autoren haben auch die drei uns gut bekannten Kletterer Dietriche Hasse, Werner Rump und Herbert Richter Beiträge verfasst. Wie Herbert Richter in seiner Einleitung schreibt, ist es jedoch das Verdienst von Bohomil Sýkora, „mit zähem Fleiß Beiträge eingetrieben, Bildmaterial zusammengetragen und verborgenen Zeugnisse der alten Tage aufgespürt zu haben“. Die Fotos sind durchweg schwarz-weiß, was die Ernsthaftigkeit der Kletterei unterstreicht sowie deren Eleganz hervorhebt.

Im Buch werden wir mitgenommen und emotional nicht mehr losgelassen von den ersten Erschließungen durch die Sachsen und Sudetendeutsche, später den Tschechen und erneut den Sachsen bis ins heute, wo die Tschechen das Feld dominieren. Doch das ist keine Wertung, hat doch die Klettergemeinschaft immer vom beidseitigen Miteinander gelebt. Das Miteinander fand und findet statt nach oder bei zweifelhaftem Wetter vor der Kletterfahrt beim Bier auf der Terrasse vom Buffet bzw. drinnen oder abends im Gewölbe. Heute auch in der Nähe anderer Bierhähne. Auch das ist es was die Adersbacher-Klettergemeinde zusammenhält und jährlich neu zusammenbringt – neben den wilden Felsen auch eine Schar wilder Kerle und heute sogar manch wilden Weibs.

Das Buch ist natürlich eine Hommage an alle Kletterer, doch es soll auch Anreiz sein einmal hinzufahren, um nur die Landschaft zu bewundern und das ist im Winter empfehlenswert, weil dann besonders märchenhaft.
Es ist ein Buch das in keinem Bücherschrank eines echten Adersbachliebhabers fehlen sollte! Als passendes Geschenk bietet es sich allemal an. Das Buch kann man im SBB kaufen oder in der Bibliothek ausleihen.

Falk Große

„Mut und Kraft“ ist in der Bibliothek auszuleihen unter E1673

 


06.11.2017

Pyrenäen

Wer fährt demnächst in die Pyrenäen oder war kürzlich dort? Dem sei die 14 (vierzehn!) bändige Publikation von Wolfgang Schaub ans Herz gelegt und an seiner Urlaubsvor- oder -aufarbeitung wird es an nichts fehlen. Vierzehn dicke, gewichtige Bände geben einen umfassenden Überblick, nein sie geben einen kompletten Tiefblick in diese Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien, einen Blick in die Geschichte vergangener Jahrhunderte bis heute. Und da wird nicht nur erzählt und beschrieben, nein, es werden historische Dokumente in Originalfassung gescannt, kopiert, gedruckt und in der jeweiligen Landessprache in den Büchern veröffentlicht. Sprachkundigen wird es ein Vergnügen sein, die Originaldokumente zu lesen. Ich als Sprachmuffel sehe nur neidisch zu. Abdrucke von Originaldokumenten nehmen einen guten Teil der Publikation ein, doch sie sind jedoch nur ein Teil der Dokumentation.
Gewandert, d. h. wirklich zu Fuß gegangen ist Wolfgang Schaub als 70-jähriger die rund 850 km lange und 48.000 Höhenmeter umfassende Strecke nicht wirklich. Abgesehen von wenigen Etappen ist er die Stecke virtuell durchs Internet gewandert. Was er jedoch mitgebracht hat ist gute Anregung für alle, die diese Wanderung oder Teile davon planen oder gewanderte Erlebnisse aufarbeiten wollen. Was natürlich nicht dabei ist sind die Erfahrung von Entbehrungen und der Schweiß einer wirklichen Wanderung. Doch darauf soll‘s nicht ankommen.

Der umfassende Inhalt ist in drei Teile gegliedert:
Teil 1, Band 1 bis 3           Zwei Nationen, eine Grenze – Identität und Abgrenzung in den Pyrenäen
Teil 2, Band 4 bis 10        Die Wanderung – Grenzsteine sammeln
Teil 3, Band 11 bis 14      Anhänge

Teil 1:
In diesem Teil ist „eine virtuelle Wanderung entlang der französisch-spanischen Grenze in den Pyrenäen“ im Laufe der Geschichte beschrieben. Der Ausgangspunkt bildet etwa die Mitte des 17ten Jahrhundert mit dem Pyrenäenvertrag zwischen Frankreich und Spanien, wenngleich die Vorgeschichte bis dahin auch gestreift wird. Der komplizierte Verhandlungsverlauf bis zur Unterzeichnung des „Pyrenäenvertrages“ – Friedensvertrag zwischen Frankreich und Spanien vom 7. November 1659 – der die Pyrenäen als die „Trennung der zwei Königreiche“ beinhaltet, wird ausführlich beschrieben. Die Pyrenäengrenze ist somit eine der ältesten und stabilsten Grenzen in Westeuropa. Damit ist sie etwa vergleichbar mit der historischen Grenze zwischen Böhmen und Deutschland bzw. der deutschen Fürstentümer, die ihrerseits auch seit Jahrhunderten unverändert besteht. In der Praxis belässt der Pyrenäenvertrag den Gemeinden im Grenzgebiet ihre Gewohnheitsrechte für Nutzungs- und Weiderechte auf dem Gebiet des Nachbarlandes. Somit vermeidet dieser Passus vorausschauend derartig mögliche Grenzkonflikte.

Aber ein Vertrag zwischen zwei Staaten ist kein Naturgesetz und so dauerte es auch nicht lange, bis vertraglich nicht geklärte Differenzen zu militärischer Auseinandersetzung führten. Diese werden von Wolfgang Schaub ausführlich beschrieben. Doch nicht nur das, es werden auch Themen von Kirche und Wirtschaft, von Widerstand und Identität sowie Gesellschaft, Klasse und Nation im Bereich der Grenze in der Zeit vor der Französischen Revolution (Ancien Régime) dargestellt. Weitere Kapitel behandeln die Französische Revolution und deren Folgen für die Grenzregion, Territorium und Identität währen den Spanischen Krisen 1808 – 1840, Verträge von Bayonne und die Abmarkung der Grenze, Identität und Gegenidentität, Frankreich und Spanien als Staaten und Nationen nach 1868.
Uns liegt hier also ein Geschichtslehrbuch par excellence vor!

Teil 2
In diesen 7 Bänden „wandern“ wir mit Wolfgang Schaub entlang der Grenze vom Grenzstein 1 bis 602. Wir wandern aber nicht schnurgerade von Grenzstein zu Grenzstein sondern es sind insgesamt 67 Rundwanderungen wo wir alle Grenzsteine und die Geschichte, Kultur und Natur entlang der Wege kennen lernen. Doch ist dies keine Wanderführer im herkömmlichen Sinne, wenngleich auch Hinweise zu Unterkunft, Verpflegung und zum Pyrenäen-Wanderweg GR 10 vom Atlantik zum Mittelmeer gegeben werden, eine gute Landkarte sollte im Rucksack sein und auch die beschriebenen Wanderrouten sollten vorher kopiert oder fotografiert werden, weil sich niemand mehrere Kilo Buch mit auf Tour nimmt.

Teil 3
In diesem Teil werden zahlreiche Dokumente zum beschrieben Kontext wiedergegeben, in der Regel als Kopien der Originale. Aber auch allgemeine Informationen zur französisch-spanischen Grenze, zu Kuriositäten, Online-Dokumentationen, Kartographie und Software und weiteres sind enthalten.

Es ist schon erstaunlich mit welcher Akribie und welch großem Aufwand Wolfgang Schaub wieder eine Dokumentation zusammengestellt hat, die in Art und Umfang für das betrachtete Gebiet wohl einmalig ist. Wolfgang Schaub hat die 14 Bände mit über 8.500 Seiten der SBB-Bibliothek kostenlos zur Verfügung gestellt! Auch von dieser Stelle ganz herzlichen Dank!

Neben der rezensierten Publikation liegen uns nunmehr bereits zwei umfangreiche Dokumentationen von Wolfgang Schaub vor: die Reihe „Gipfel und Grenzen – Grenzenlose Gipfel“ bestehend aus 28 großformatigen, schweren Bänden, siehe SBB-Mitteilungsheft 1/2015 und der Buchtipp vom 12.04.2016.

Die Reihe Pyrenäen ist auszuleihen unter E0088A bis E0088N.

Falk Große


14.09.2017

Bergsteigerdörfer

Nicht erst seit jüngster Zeit werden es immer mehr Aktivurlauber/Bergsteiger, welche Landschaft, Natur und die Berge ohne Massentourismus in ihrer Ursprünglichkeit und in Ruhe zu erleben suchen. Natürlich gibt es noch solche Ziele in den Alpen, aber ein aktiver Bergsteiger erwartet für seine meist knapp bemessene Freizeit eine gewisse Infrastruktur, um seine Bergziele zu erreichen. Das geht natürlich am schnellsten, wenn der Zielort nahe der Autobahn liegt und die ersten tausend Meter Aufstieg mit der Seilbahn überwunden werden können. Dann jedoch hat er nicht die Ruhe einer ursprünglichen Landschaft ohne Massentourismus. Dörfer als Ausgangspunkt für Bergfahrten mit diesen Merkmalen gibt es aber auch. Sie wurden in zurückzurückliegenden Jahrzehnten auf Grund ihrer Infrastruktur daher eher stiefmütterlich betrachtet. Aber seit einigen Jahren werben einige Gemeinden gerade mit dem Potential „sanfter Tourismus“ um die Gunst ihrer Besucher.

Angeregt durch den Österreichischen Alpenverein wird seit 2008 das Prädikat „Bergsteigerdorf“ verliehen. Um den Titel zu erhalten sind enge Vorgaben zu erfüllen. Zum Beispiel:

– alpiner Landschaftscharakter, 1000 Meter Höhenunterschied zwischen Tal und Gipfelniveau

– als Einzeldorf maximal 2500 ständige Einwohner… Der Baustil sollte in sich harmonisch wirken…

– vorteilhaft ist das Vorhandensein von Naturschutzgebieten…

– gute Anbindung an das Netz öffentlicher Verkehrsmittel…

– aktive Wanderer und Bergsteiger als Zielgruppe…

Werden die Bedingungen nicht eingehalten, kann der Titel auch wieder entzogen werden.

Bisher wurden 21 Dörfer, die meisten in Österreich und einige in Deutschland, als Bergsteigerdörfer ausgezeichnet. Das sind beispielsweise: Das Große Walsertal, Ramsau bei Berchtesgaden, Lunz am See, …

Doch auch in weiteren Regionen wurde der Wert des Titels Bergsteigerdorf erkannt. So wollen sich auch Gemeinden in Slowenien und Italien künftig um diesen Titel bewerben.

Mark Zahel, ein profunder Autor zahlreicher Bergbücher, hat alle Bergsteigerdörfer besucht und er stellt sie in einer gelungenen Dokumentation vor, reich bebildert und mit vielen attraktiven Wandervorschlägen ergänzt. Den jeweiligen Wandervorschläge möge man sich jedoch vorab kopieren oder fotografieren, denn ein so gewichtiges Buch nimmt man nicht mit auf die Tour. Als Vorbereitung auf einen Urlaub mit sanftem Tourismus ist das Buch sehr zu empfehlen. Bleibt nur noch eine Frage, ob denn auch in anderen Regionen, abseits der Alpen, wo es auch Bergsteiger/Kletterer gibt, das Prädikat „Bergsteigerdorf“ verliehen werden könnte. Ich denke da zum Beispiel an Schmilka in der Sächsischen Schweiz. Die Bedingungen müssten natürlich angepasst werden (alpiner Landschaftscharakter). Dazu sollten sich Verantwortliche vom Alpenverein und Tourismus mal etwas überlegen.

Falk Große

In der SBB-Bibliothek auszuleihen unter
B0687


31.05.2017

SANDSTEINBLOGGER Ausgabe 2

Mach doch! Und er hat’s wieder gemacht, das zweite Heft aus echtem Papier. Zum Glück hat sich Hartmut wieder getraut und er nimmt uns mit in seine, in unsere Welt draußen zu sein.

Bei meinem ersten Betrachten des Titelbildes habe ich gestaunt und war zu gleich verwundert über die perfekte Beleuchtung an diesem exponierten Ort. Doch auf Seite drei steht des Rätsels Lösung und es sagt mir, trau keinem Foto, auch wenn’s noch so schön ist oder gerade deshalb. Aber darum geht’s ja gar nicht.

Es ist wieder schön in der Zeitschrift zu blättern und viel Interessantes zu erfahren, wovon man vielleicht schon mal gehört, es aber noch nicht aus der Sicht von Hartmut Landgraf gelesen hat. Auch wie er schreibt und formuliert, ist ein Vergnügen zu lesen. Zum Beispiel über Europas letzten Goldsucher oder Gisbert Ludewig oder Thomas Willenberger oder der Riesenfichte im Kirnitzschtal oder oder oder. Hauptthema des Heftes ist „Erleb dich selbst!“ und hier sind 7 spezielle Artikel zu Papier gebracht. Am besten ist aber alles lesen!

Man kann auch online mit dem Sandsteinblogger unterwegs sein und hier sind natürlich aktuelle oder frühere Beträge präsent. Wenn man das Buch kauft und ins Bücherregal stellt, hat man es auch ohne Internet immer zur Hand. In der SBB-Bibliothek kann man die Zeitschrift auch ausleihen.

Falk Große

Sandsteinblogger
Z11-01/2017


02.05.2017

Wilder Kaiser

Die Meisten aus unserer Region haben wahrscheinlich als erstes Alpenreiseziel den Wilden Kaiser gewählt oder sind auf dem Weg in die Dolomiten oder nach Arco dort vorbei gefahren.

Auch meine erste Begegnung mit den Alpen war der Wilde Kaiser, wenngleich unter völlig anderen Umständen und das lange vor der Wende. Wegen eines Sterbefalls durfte ich in den Westen nach Hamburg reisen. Doch die Rückfahrkarte hatte ich in Dresden über Rosenheim/Bayern gekauft. Die Zugfahrt am Tage längs durch die damalige BRD war schon großartig, aber die Rundfahrt mit meinem Freund aus DDR-Tagen in einem klapprigen Auto um den Wilden Kaiser von und nach Rosenheim war unbeschreiblich, weil sie, wie damals gedacht, erst wieder als Rentner möglich sein würde. Zum Glück kam es jedoch anders und ich war erneut im Wilden Kaiser!

Umso schöner für mich, das interessante, vielschichtige, reich bebilderte Buch vom Wilden Kaiser zu rezensieren. Es handelt laut Titelbild von „Sommerfrischlern, Kletterlegenden, Skipionieren und dem Bergdoktor“ und es umfasst „200 Jahre Alpingeschichte und Reisekultur“. Nun ein Umfang, der erst einmal in rund 250 Seiten gepresst werden muss. Aber wenn man den Blick auf das Wesentliche lenkt, kann es gelingen. Und es ist gelungen!

Der Autor Gebhard Bendler wirkte als Historiker an der Akademie der Wissenschaften in Innsbruck am Projekt der Erforschung der Tourismusgeschichte der Region Wilder Kaiser mit, auf der das rezensierte Buch aufbaut. Eigentlich erstaunlich, dass erst jetzt dieser Aspekt wissenschaftlich erforscht wurde, ist doch das Kaisergebirge ein Stück Tiroler Identität und war es auch ein Kapitel Münchener Alpinhistorie. Dargestellt wird die touristische Entdeckung und Erschließung mit der beginnenden Alpenbegeisterung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Erzählt wird von vorausschauenden, die Region nachhaltig prägenden Persönlichkeiten, Pionieren des Skisports, des Alpinismus – zum Beispiel die auch uns bekannte Namen Ludwig Purtscheller, Paul Preuß, Anderl Heckmair, Fritz Wiesner bis zu Alexander Huber und Adam Ondra – von Hütten- und Gastwirten, Regisseuren und Filmstars. Es wird die Entwicklung der Region bis heute dargestellt, einer hervorragenden Region, die Ihresgleichen sucht. Man kann das Buch vergleichen mit unserer „Bibel“ vom Elbsandsteingebirge von Hasse/Stutte, wenngleich letzteres aus meiner Sicht die Thematik noch tiefgründiger behandelt.

Das Buch liest sich kurzweilig, es ist optisch mit vielen guten Fotos und Grafiken aufgelockert, wobei es nicht überfrachtet wurde. Zwischen den Seiten 229 bis 232 ist die Bindung der Seiten fehlerhaft – man sucht irritiert die Fortsetzung des Textes.

Ein schönes Buch, das Lust macht den Kaiser erneut zu besuchen oder das Buch in der Bibliothek auszuleihen.

Falk Große

In der Bibliothek
auszuleihen unter
P0421


13.04.2017

Karwendel

Von München über Garmisch nach Innsbruck fährt man am Karwendel entlang und wer dort nicht anhält, sollte einmal den Bildband von Edwin Schmitt zur Hand nehmen und er fährt das nächste Mal dort nicht vorbei. Denn der Bildband macht neugierig, ob es all das Schöne wie auf den Fotos dort auch wirklich gibt. Nun, man darf davon ausgehen. Aber nur wenigen Besuchern wird es vergönnt sein, die Motive so zu erleben, wie man sie im Buch bestaunen kann. Dafür braucht es das Auge eines geschulten Fotografen, viel, sehr viel Zeit und auch Glück, die besonderen Stimmungen der Bilder einzufangen sowie das Wissen, wo sich die besten Motive „schießen“ lassen. Und wer könnte das wohl besser, als einer der quasi dort lebt und in der Natur zu Hause ist.

Wir werden also an die Hand genommen und bildlich durch die Landschaft geführt, über schroffe, karge Felsmassive, steile Wände, stille Schluchten aber auch über romantische Auen und stille Almen. Wir sind ganz still, um die scheuen Tiere nicht zu verscheuchen und wir ziehen uns warm an, damit wir im tiefen Winter nicht frieren müssen. Den Menschen sieht man auch, manchmal, doch scheint er wohl das Gebiet nicht recht zu mögen, denn er ist nur selten zu treffen. Schade, gehört er doch auch zur Region.

An vielen schönen Panoramafotos tragen die markanten Gipfelspitzen ein Namensschild. Jetzt braucht man nur noch ein selbst geschossenes Foto vom gleichen Standort – denn niemand nimmt den Bildband mit auf Tour – und man kann die gesehenen Gipfel auch zuordnen.

Ein schöner Bildband, der Lust macht, auch einmal oder wieder einmal dort zu wandern. Es wäre sicher ein Gewinn, wären die Bilder durch textliche Vertiefungen zum Gebirge etwas ergänzt, wie zum Beispiel zur Geschichte oder Wirtschaft oder zum Alpinismus.

In unserer Bibliothek werden am wenigsten Bildbände ausgeliehen. Den Bildbänden in der Bibliothek geht es vermutlich genauso wie den Bildbänden im Bücherregal zu Hause; man freut sich, blättert einmal interessiert durch – oh, toll! – stellt es ins Regal und vergisst es bis zum nächsten Umräumen. Damit wird man den guten und schönen Büchern jedoch nicht gerecht! Aber ohne den Platz im eigenen Bücherregal zu verwenden, kann man den Bildband „Karwendel“ in der SBB-Bibliothek ausleihen.

Falk Große

In der Bibliothek
Karwendel
B0685


27.03.2017

Schlagintweit-Brüder

Ausstellung zur Hochasien-Expedition

Passend zur derzeitigen Schlagintweit-Ausstellung im SBB (vom 22. März bis August 2017) haben wir dem vom DAV-München zur selbigen Ausstellung herausgegeben Katalog erworben. Der Katalog kann somit als Begleiter hilfreich sein, weitere Informationen zu den ausgestellten Exponaten zu erhalten.

Vom März 2015 bis Juni 2016 lief die Ausstellung beim DAV in München. Die DAV Sektion Freiburg fand die Ausstellung so interessant, dass sie auch in Freiburg gezeigt wurde, wenngleich nicht mit den sehr wertvollen Originalen, sondern mit hochwertigen Reproduktionen (siehe auch Magazin des DAV Freiburg, Seite 50). Und der SBB hat dankenswerter Weise die Freiburger Ausstellung leihweise erhalten dürfen.

Ausgestellt werden Aquarelle, Zeichnungen und Fotos, die die Schlagintweits während ihrer Reise zwischen 1854 bis 1858 sammelten und die von der Familie Schlagintweit dem DAV übereignet wurden. Die Exponate sind für den DAV ja insofern besonders von Bedeutung, waren die Schlagintweits doch die ersten Europäer, die Regionen des Himalayas erforschten, vermaßen und kartierten. Adolph und Rudolph Schlagintweit waren dabei auch alpinistisch in extreme Höhe von 6.785m vorgestoßen. Dieser Höhenrekord hatte fast vierzig Jahre Bestand! Umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, mit welch einfacher Ausrüstung, verglichen mit dem modernen Equipment heutiger Tage und somit auch Vorbild gebend für Alpinisten unserer Tage.

Anlass der Expedition war das Kolonialstreben von England, vertreten durch die East India Company als Auftraggeber unter entscheidender Empfehlung von Alexander von Humboldt sowie finanzieller Unterstützung der Könige von Bayern und Preußen.

Von unserem Himalaya-Experten Wolfgang Heichel wurde die Münchener Ausstellung rezensiert und kritisch beleuchtet (SBB-Mitteilungsblatt-02/2015, Seite 52). Von Wolfgang Heichel liegen dem SBB mehrere bemerkenswerte Bücher zum Himalaya vor, die sowohl gekauft oder in der Bibliothek ausgeliehen werden können.

Aber wer von unserer Bergsteiger-Gemeinschaft hat denn von den Schlagintweit-Brüdern schon einmal gehört? Umso erfreulicher ist es, mit dieser Ausstellung das Augenmerk unserer Besucher auf diese bedeutenden Forscher zu richten.

Falk Große

Über den Himalaya.
Die Expedition der Brüder Schlagintweit nach Indien und Zentralasien 1854 bis 1858.
Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2015
P0048 in der Bibliothek

 


23.02.2017

Allmountain #5

Allmountain #5

Eine Pille für den Rausch am Berg, für den Flow-Zustand und das Geheimnis des Glücks, vielleicht auch um mit Jeremie neue Dimensionen des Freeridens zu wagen oder gedopt mit Colin Haley abzuheben. Dies als Auswahl für den Inhalt vom Titelbild.

Die Broschüre bietet erneut interessante Einblicke in eine Welt, in die Otto-Normalbergsteiger nie vordringt und staunend vom Rande das Spiel verfolgt. Wie kann man senkrecht erscheinende, verschneite Felswände mit dem Ski befahren. Offenbar geht es und einer hat‘s drauf: Jeremie Heitz. Langsam fahren ist nicht sein Ding, nur durch extreme Geschwindigkeit fällt er die Wand nicht runter. Bis jetzt! Weiter geht’s im Rausch der Geschwindigkeit. Simone Origone ist ohne Motor der schnellste Mann der Welt mit 253,63 km/h (!!!) im Speedskifahren. Ich stelle mir vor, ich rase auf der Autobahn mit 160 und plötzlich heizt einer auf Skiern mit fast 100 km/h mehr an mir vorbei.

Aber auch über andere Rauschzustände am Berg ist zu lesen und die sind den Meisten von uns auch gut bekannt zum Beispiel die Zigarette am Ring, ein Gipfelbier oder eine Flasche Rotwein in der Boofe. Von Anderl Heckmair kennen wir den Spruch „Alkohol kann, mäßig genossen, auch in größeren Mengen nicht schaden“. Und dieses Thema wird auch umfassen abgehandelt. Andere Rauschzustände kennen (hoffentlich) nur sehr Wenige, den Rausch unter Drogen. Auch hier kommen Vertreter zu Wort.

Doch es werden noch weitere Arten von Rausch dargestellt. Als da wären das Phänomen des Flow als „Geheimnis des Glücks“ oder ganz profan Skifahren aus Lust an der Freude mit Hermann Maier und Marco Büchel. Ohne Rausch geht es aber auch und zwar mit der Frage: Wem gehören die Berge? oder der royalen Kehrseite von Prinz Williams Schwägerin Pippa Middelton mit ihrer Schwäche für extreme Ausdauerrennen.

Dies nur als Auswahl weiterer interessanter Beiträge. Lassen wir uns also berauschen beim Stöbern in der Zeitschrift.

Falk Große

In der Bibliothek
auszuleihen unter
Z01-05/2016


31.01.2017

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Alltag – Albtraum – Abenteuer

Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte

Der Haupttitel ist vielleicht nicht sehr vielsagend oder er lässt zu viel Spielraum für eigene Erwartungen. Der Untertitel beschreibt schon etwas näher das Anliegen des Buches und im Klappentext wird erläutert, dass die im Buch versammelten Beiträge zahlreiche Fächer von der Geschichte über die Literaturwissenschaft bis zur Kulturanthropologie repräsentieren, einen Bogen schlagen von der Steinzeit bis zur Gegenwart und es wird das Regionale neben die Berge der Welt gestellt. Es ist also ein Buch über die Beziehung der Menschen zum Berg vom Beginn der Zivilisation bis zur Gegenwart. Es kommen, ist zu lesen, die unterschiedlichen Sichtweisen, Epochen und Räume zur Sprache.

Aus dem Vorgenannten könnte man eine ganze Bibliothek mit dem Bezug Mensch – Berg vermuten. Aber es ist ein Buch mit 373 Seiten, ein Buch im wissenschaftlichen Stil geschrieben und daher ist es wohl gelungen, den Umfang dieser Thematik abzuhandeln. Es werden Beiträge zum ersten Montafoner Gipfeltreffen (7. – 11. Oktober 2013) unter dem Titel „Gebirgsüberschreitungen und Gipfelsturm“ zusammengefasst. Wie eingangs erwähnt, referierten die einzelnen Autoren über ein breites Spektrum, in welchem Beiträge zur Geschichte (Militär-, Sozial-, Wirtschafts-, Alpingeschichte) und zu Wissenschaften (Archäologie, Religion, Kunst, Philologie, Literatur, Kultur) abgehandelt werden.

Das Buch liest sich nicht wie eine nur Spezialisten vorbehaltene wissenschaftliche Abhandlung zu einem mathematischen Problem, die Thematik spricht auch einen interessierten Laienkreis gut an. Man muss sich aber Zeit nehmen und sich der Herausforderung stellen, einen manchmal auch vielleicht etwas trockenen, wissenschaftlichen Text zu lesen. Doch bei den Beträgen im Buch gelingt das in der Regel.

Es werden Aufsätze dargestellt, von deren Inhalt man natürlich schon gehört aber noch nicht in solcher Ausführlichkeit und Genauigkeit gelesen hat. Zum Beispiel: Hannibals Alpenüberquerung oder der Weg Alexander des Großen über den Hindukusch oder Marco Polo auf dem „Dach der Welt“ oder die Erstbesteigung des Piz Bernina oder Hitlers Gebirgsjäger auf dem Elbrus oder der lange Weg nach Lhasa von Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter oder mit dem Carbonstock in die Steinzeit. Dies nur als kleine Auswahl.

Man wird das Buch natürlich nicht in einem Ritt durchlesen, aber der Informationsgehalt ist für einen Bergbegeisterten enorm.

Falk Große

Michael Kasper, Martin Korenjak, Robert Rollinger, Andreas Rudigier
Alltag – Albtraum – Abenteuer
P0043
Bücher populär


23.11.2016

Abruzzen

Abruzzen

„Das Herz des Apennin ist nördlich der Alpen noch nahezu unbekanntes Terrain. In die Abruzzen rei­sen hauptsächlich Römer und andere gestresste Großstädter zum Skifahren, Wandern oder Baden.“ Dieser Einleitung für die Ankündigung eines neuen Abruzzenführers aus dem Hause Müller kann eine Vielzahl von SBB-Mitgliedern nicht zustimmen. Auch zahlreiche Leser der SBB-Bibliothek reisten in den vergangenen Jahren häufig dorthin und die Abruzzen sind für sie lange kein weißer Fleck auf der Landkarte. Wenngleich es die Bergfreunde weniger zum Baden oder Skifahren dorthin treibt, aber als Wanderregion und zum Bergsteigen sind die Abruzzen längst bekannt. Nun beherbergt die SBB-Bibliothek eine kleine Auswahl an Führern und Reisebeschreibungen der mittelitalienischen Landschaft, die bislang den Bedürfnissen der Reiselustigen nicht immer umfänglich gerecht werden konnte. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt ein handlicher Reiseführer von Sabine Brecht und Sven Talaron vom Verlag Michael Müller vorliegt, der einen weiteren Lückenschluss an Informationsmaterial für diese Region bietet.

Nach Italien zu reisen bietet natürlich immer auch eine Reise in Kultur- und Kunstgeschichte. Und die ist im rezensierten Fürer auch angemessen abgehandelt, sonst wäre das Büchlein nur halb so dick. Da man in Italien Kunst und Kultur kaum ausweichen kann, findet man auf fast jeder Seite Bezüge hierzu, kurz und knapp, aber mit allen erforderlichen Informationen im Rahmen eines Taschenbuchs, ergänzt durch eine Vielzahl von Landkarten und Stadtplänen.

Die Abruzzen sind nicht nur eine Bergregion, sondern es ist auch die angrenzende Adria mit den schönen Stränden die vor oder nach einer Bergfahrt zum Baden oder Schlemmen einladen. Schlemmen kann man aber auch im Landesinneren bei einem Vier-Gänge-Menü vielleicht in L’Aquilla oder ganz einfach in einer der zahlreiche Käsereinen im oder vor dem Dorf.

Aufgebaut ist der Abruzzenführer wie man es von einem gut gemachten seiner Art erwartet mit Informationen zu den beschriebenen Städten wie Übernachten, Essen/Trinken, Anreise, Sehenswürdigkeiten, Historischem, ergänzt mit Bild- und Kartenmaterial. Aber auch Natur- und Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten, sind doch auch die wichtigsten Wander- und Bergregionen wie der Gran Sasso und die von den meisten Touristen weniger besuchte Majella und das Gebiet von Monte Marsicano beschrieben. Jedoch ist es kein Wanderführer. Diesen sollte der Reisende sich vorab ergänzen, wenigstens als Wanderkarte. Ferner gibt es noch eine Anzahl gut gemeinter Reisetipps, wie zum Beispiel der Anreise, der Reise im Zielgebiet, von Übernachtungsarten, Hinweise für Besuche beim Arzt oder in der Apotheke und und und. Aber das gehört wohl wie seit 150 Jahren zum Bestandteil eines Reiseführers, auch im Zeitalter von Internet.

Alles in Allem, ein sehr gut gemachter Reiseführer, kompakt, informativ, für die Hosentasche ausreichend; verdientermaßen ausgezeichnet von der Italienischen Zentrale für Tourismus. Weitergehenden und noch ausführlicheren Informationen zum Gebiet sind bei Bedarf nicht abzuraten.

Falk Große


29.09.2016

Eiger

Eiger extrem

Das Rennen um die Nordwand Direttissima

Sind wir alle nicht manchmal gern sensationslüsterne Zuschauer schier menschenunmöglicher Leistungen? Sicher. Lässt sich manches Spektakel nicht aus Richtung warmer Ofenbank am besten beobachten und „sachkundig“ kommentieren? Lassen sich von dort nicht auch die meist nur gut gemeinten Ratschläge, wie es denn wohl hätte anders besser gemacht werden sollen, erteilen? Wohl auch. Schauen wir uns manchmal nicht unvergnügt fremdes Leid an? Leider nicht nur im Krimi am Sonntagabend sondern oft auch in der Wirklichkeit. Und das ist schlimm, das ist fatal. Doch leider nicht erst seit heute, wo quasi jedes Ereignis sofort in die Welt hinaus posaunt werden kann, und es ist wohl ein menschlicher Reflex, eigenes Dasein erträglicher zu finden, wenn man sieht, es geht anderen schlechter.

Aber auch vor unserer super medialen Zeit, vor langen fünfzig Jahren hingen die Zuschauer an den Röhrenfernsehern, die Zuhörer an den Rundfunkgeräten und die Leser an den Zeilen der Presse um am Schicksal der Helden an der Winter-Eiger-Nordwand-Direttissima-Erstbesteigung teilzuhaben. Anschließend wurde das Ereignis in Büchern abgehandelt und auch die Filmbranche machte ihren Profit damit. Eigentlich ist zum Rennen um die Nordwand Direttissima doch schon alles gesagt. Eigentlich? Wohl nicht, wenn jetzt nach genau fünfzig Jahren ein Buch vorgelegt wird, in dem die Autoren zum ersten Mal die Sichtweisen beider Bergsteigerteams – ein deutsches Team und ein amerikanisches unter Führung von John Harlin – nach Interviews mit noch lebenden Teilnehmern und deren Familien darstellen. Laut Klappentext wurden die Leistung der Erstbegeher der John-Harlin-Route bis heute „unterbewertet und falsch dargestellt“. Begeben wir uns also mit auf die Spurensuche und hierfür benötigt man auch einiges Durchhaltevermögen. Es ist wie im Hochgebirge, vor manchem Einstieg in eine schöne Bergtour muss man sich zunächst schier endlose Geröllfelder hochquälen, um an den Einstieg zu gelangen. Die Autoren sind Peter und Leni Gillman mit Jochen Hemmleb als sachkundiger Übersetzer. Peter Gillman war zum Zeitpunkt des Geschehens vor fünfzig Jahren im Auftrag der britischen Zeitschrift „Daily Telegraph“ vor Ort am Eiger und hat das Drama der Besteigung hautnah an der Seite des anglo-amerikanischen Teams miterlebt und anschließend publiziert. Im Anschluss der dramatischen Besteigung gab es seinerzeit zwei literarische Darstellungen, einerseits eine englischsprachige „Eiger Direct“ von Gillman/Haston sowie andererseits eine deutschsprachige „Eiger – Kampf um die Direttissima“ von Lene/Haag (dieses Buch – siehe kleines Bild – ist unter E0068 Bestandteil der Bibliothek). Beide wurden jedoch nicht in die jeweils andere Sprache übersetzt, wodurch es bis zum Erscheinen des rezensierten Buches auch immer zwei Lesarten der Ereignisse gab. Peter Gillman macht es sich nun zur Aufgabe, beide Seiten der Medaille zu beleuchten. Und dazu holt er zunächst sehr weit aus. In der ersten Hälfte des Buches untersucht und beschreibt er alle seinerzeit möglichen Kandidaten des Harlin-Teams und auch des deutschen Teams bis hin zu deren familiären Verhältnissen. Das ist natürlich ein Fundus über die damaligen Spitzenalpinisten, die auch heute noch ihren Klang in der Alpingeschichte haben. Wer jedoch schnell zum Ziel kommen will, für den ist es manchmal ein mühsames Geröllfeld. Aber auch das gehört zum Aufstieg am Berg. Doch nachdem es dann losgeht, wir die Handlung zum Thriller und das ist die Widergabe einer fünfwöchigen Dramaturgie am Berg mit dem Kampf gegen Naturgewalten, unzureichender Ausrüstung, erlittenen Rückschlägen und Verletzungen, knapp werdenden Essen. Davon hat der Eiger ja die besten Möglichkeiten als Schauplatz einer Kulisse von einem bequemen Hotel im Tale für die Bericht erstattenden Journalisten. Wenn der Eiger irgendwo fernab der Zivilisation im Niemandsland stehen würde, wäre das mediale Interesse seinerzeit und sicher auch heute noch gleich null. Dann wäre eine Winter-Direttissima am Eiger im Irgendwo auch heute noch kein Thema, weil sich kein Sponsor finden würde, darüber live zu berichten. Doch wir können uns glücklich schätzen, das Ereignis nacherleben zu dürfen, weil verrückte Haudegen seinerzeit den Mut hatten, das Wagnis einzugehen. Aber ohne Verrückte würden wir heute noch als Jäger und Sammler durch den Busch ziehen. Warum jedoch die Harlin-Route bisher unterbewertet und falsch dargestellt wurde, soll jeder Leser selbst herausfinden. Dazu sei hier nichts verraten, wenngleich es sich dem Rezensenten auch nicht erschließen will, waren doch beide Teams klettertechnisch gleichwertig und wenn die Deutschen ein Übergewicht an Manpower hatten waren die Anglo-Briten durch Sponsoring im Vorteil und jedes Team wäre in der Lage gewesen, entscheidende Passagen zu klettern und nur weil die Umstände es ergaben, war sowohl einmal das eine wie auch das andere Team am Zuge. Durch den aus der Not heraus geborenen Zusammenschluss beider Teams in der Endphase der Begehung relativiert sich eine Wertung ohnehin.

Kurz und gut, ein sehr lesenswertes Buch!

Falk Große

Peter & Leni Gillman
mit Jochen Hemmleb
„Eiger Extrem
Das Rennen um die Nordwand-Direttissima“
AS Verlag
E0053 SBB-Bibliothek


01.08.2016

bergundsteigen

Hochmut kommt vor dem Fall

… und das im wahrsten Sinn des Wortes. Warum eigentlich? In fast jeder Berg- oder Kletterzeitschrift ist zu lesen, wie wichtig fürs Klettern persönlicher und Partner-Check sind und die richtige Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit sowie das Wissen und Beherrschen von Sicherungsmitteln und -methoden. Zu lesen derzeit in unserem SBB-Mitteilungsblatt der Beitrag von Christian Walter „Ich weiß schon was ich tue…“ und im DAV Panorama 3/2016 „Wieder nichts gelernt!“ von Walter Würtl sowie in der von DAV, SAC, ASV und ÖAV herausgegebenen Zeitschrift bergundsteigen für Risikomanagement im Bergsport mit dem Artikel von Jens Badura „Risiko als Risiko“. Und wenn man in die historische Geschichtsschreibung schaut oder sich die Gegenwart ständiger Kriege vor Augen hält, erkennt man resigniert, dass die Menschheit nicht im Stande ist, aus Fehlern zu lernen! Auch die Welt der Bergsteiger ist nur Teil des Ganzen, also unfähig zu lernen.

Aus diesem Grund aber auf Aufklärung oder Auswertung von Unfällen zu verzichten wäre natürlich falsch. Die bereits oben genannte Zeitschrift bergundsteigen – Untertitel: Menschen, Berge, Unsicherheit – hat es sich daher auf die Fahne geschrieben, dieses Thema besonders gründlich zu bearbeiten, auch in Verbindung mit ihrer Schwesterzeitschrift analyse:berg, herausgegeben vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit, in der Unfälle aus Sicht von Alpinpolizei, Juristen und Bergführern kritisch beleuchtet und statistisch betrachtet werden.

In diesem Zusammenhang sei auf das aktuelle Heft von bergundsteigen hingewiesen, in welchem neben dem genannten Artikel auch weitere Berichte diese Problematik thematisieren, damit es in Zukunft vielleicht seltener heißt: Hochmut kommt vor dem Fall.

Falk Große


12.07.2016

Pyramiden

4 Grate – 1 Gipfel: Pyramiden – ideale Berge!

Es gibt viele Wege sich einem Berg zu nähern, ihn zu beschreiben oder zu besteigen. Eine ungewöhnliche Art beschreibt Wolfgang Schaub in seinem jüngsten Buch –erneut eine Spende; danke auch von dieser Stelle. Nicht die durch natürliche Einflüsse entstandenen Berge sind Inhalt seiner Betrachtung sondern künstliche, von Menschenhand geschaffene Berge, Pyramiden.

Nach einem kurzen Exkurs über natürliche Berge in Pyramidenform beschreibt Wolfgang Schaub die seit der frühen Menschheitsgeschichte gewählten Berggipfel als Begräbnisstätten. Aber was tun, wenn natürliche Berge nicht vorhanden sind? Der Mensch schafft sich Pyramiden als Ersatzberge. Und die gibt es auf der Erde nahezu überall. Für das Altertum geht die Betrachtung von den Pyramiden der Pharaonen über Nubien, nach Mexiko, China, Nordamerika bis nach Europa. Doch auch in der Neuzeit müssen Pyramiden als Ersatzberge herhalten und ausführlich werden beschrieben Pyramiden in Austerlitz, Karlsruhe, Waterloo, Potsdam, Branitz, Louvre und Wörlitz. Aber nicht nur real existierende Pyramiden werden vorgestellt, sondern auch solche, die nur in der Fantasie einiger Glaubensanhänger bestehen, aber daher um so mehr als glaubhaft interpretiert werden (Pyramiden in Bosnien, Drei Kaiserberge). Den Abschluss bildet ein Ausflug in die ideellen Arten von Pyramiden, den Schneeballpyramiden für perfide Verkaufskonzepte. Im Anhang sind alle derzeit bekannten, real existierenden Pyramiden tabellarisch gelistet.

Nun, wenngleich kein Bergbuch im eigentlichem Sinne, so ist der Inhalt doch interessant und lesenswert. In der Bibliothek unter P0038 ausleihbar.

Falk Große


16.06.2016

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Thüringer Bergsport – Das Murmeltier

Wir besitzen in der SBB-Bibliothek eine Vielzahl Zeitschriften von DAV-Sektionen und anderen Vereinen und Organisationen. Auch hier kann der Leser interessante Berichte von Expeditionen, Berg- und Wanderfahrten, Boots-, Ski- und Klettertouren finden und manche Anregung für eigene Vorhaben.

Bei der Durchsicht der Zeitschrift „Thüringer Bergsport – Das Murmeltier“ vom Thüringer Bergsteigerbund habe ich in nur einer Ausgabe Kurzberichte zu folgenden Themen gefunden:

– Bergwandern in der Hohen Tatra
– Trekkingtour Karakorum
–  Dolomiten, Punta Fiames Südwand
–  Australien, 13 000 km mit Bus und Zelt
–  Karnischer Höhenweg
–  Skitouren in den Adamello-Alpen
– Mexiko, Pico de Oritaba
–  Wintertour in Grönland
–  Kroatien, Kalkkletterei in Omiš bei Split
–  Wanderwoche im Wilden Kaiser
–  Russland, Elbrus
– Jugendfreizeit Blaueishütte
– Bouldern in Fontainbleau, Frankreich

Werner Rump


17.05.2016

Südtirol

Südtirol

Bislang galten die Buchtipps Neuerwerbungen der Bibliothek. Doch als Buchtipp für unsere Leser verstehen wir auch Hinweise auf unsern Bestand und der umfasst auch einen großen historischen Schatz. So sei denn heute eine kleine Geschichtsexkursion nach Südtirol anempfohlen.

Vor einigen Jahren erhielt unsere Bibliothek aus einem Nachlass einige Exemplare der Zeitschrift “Südtirol in Wort und Bild“ aus den Jahren 1959 – 1972. Ich rezensierte diese Zeitschriften und war begeistert. Schon der etwas modrige Geruch dieser 50 Jahre alten Zeitschriften, die alten Schwarz-Weiß-Fotos, der etwas antiquierte Schreibstil der Autoren und vor allem der Inhalt der vielen Artikel lassen das Leserherz höher schlagen. Viele Artikel mit politischem Inhalt sind wie ein kleiner Nachhilfekurs in Sachen Geschichte. Da werden die Probleme des geteilten Landes Tirol und speziell die Südtiroler Frage, die zu jener Zeit sogar vor der UNO verhandelt wurde, sehr emotional beschrieben. In Beiträgen zur Südtiroler Natur, Kultur, Geschichte  und Wirtschaft werden interessante Menschen der Region vorgestellt. Die Fotos dazu zeigen verschlafene Dörfer, die heute bekannte Urlaubsorte sind. Viele der abgebildeten, jahrhundertealten Bauernhäuser werden heute nicht mehr existieren. Die Skiausrüstungen und die „Outdoor“-Mode der damaligen Zeit lässt uns schmunzeln. Südtirol hat sich zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Italiens entwickelt. Wie dies über Jahrzehnte erkämpft wurde erzählen uns diese alten Zeitschriften. Vielleicht kann das für den einen oder anderen eine interessante Vorbereitung für den diesjährigen Urlaub sein. Die Zeitschriften findet ihr unter der Registratur Z95 ganz unten im ersten Regal.

Christel Otremba


27.04.2016

Lehrbücher

Lehrbücher

So muss das sein, unsere aufmerksamen Leser stellen fest, dass in der Bibliothek wichtige Medien fehlen oder nicht mehr aktuell sind und sagen es den Mitarbeitern. Diese bestellen dann alsbald was fehlt und alle sind wieder zufrieden, wenn die Lieferung im Regal steht. Das war vor Kurzem so geschehen mit mehreren Lehrbüchern, die nicht mehr auf den neuesten Stand waren. Es wäre doch peinlich, wenn unsere Lehrgangsteilnehmer mit veraltetem Material an einem Lehrgang teilnehmen müssten und der Nachbar hat die neuesten Lehrbücher.
Wir haben also ganz schnell beim Alpenverein in München mehrere AV-Lehrbücher, das DAV Handbuch Ausbildung, Erste Hilfe und Gesundheit, Lawinenlehrbuch und noch weitere für knapp 300€ geordert. Das Foto zeigt eine kleine Auswahl.
Nun sind wir hier wieder aktuell, das heißt aber auch, dass wir an anderer Stelle nachholen müssen und das am besten wieder mit Eurer Hilfe.


12.04.2016

Februar 2016 Wolfgang Schaub

Gipfel und Grenzen – Grenzenlose Gipfel

Nun ist sie komplett, die Serie von Wolfgang Schaub über die Besteigung sämtlicher großen und kleinen Berge aller europäischen politisch unabhängigen Gebiete. Bislang fehlte uns noch der erste Band „A Deutsch-Österreichischer Aufklang“ mit Einleitung und Erläuterung, warum Wolfgang Schaub das Abenteuer begonnen hat. Der Band A war bislang vergriffen und umso mehr freuen wir uns, dass er uns nach erneuter Auflage von Wolfgang Schaub gespendet wurde, neben den anderen Bänden dieser Sammlung. Vielen Dank an Wolfgang Schaub! Die anderen Bände wurden zusammengefasst im Mitteilungsheft 1/2015 kurz vorgestellt.

Ein Versuch der Besteigung aller höchsten Berge der europäischen Staaten macht natürlich schnell eines klar, dass es dann doch sehr oft weniger mit Bergsteigen zu tun haben wird, als mehr mit der Herausforderung, den jeweils höchsten Punkt zu finden. Wäre nur der Gipfelaufstieg Inhalt der Beschreibung gewesen, hätte der Bericht vielleicht in einem Band Platz gefunden, es sind aber 28 Bände, jeder im A4-Format und ca. 2 bis 3 cm dick. Da müssen also viel mehr Informationen drin stecken. Und es ist in der Tat eine Wanderung durch Europa zu den höchsten Erhebungen entlang geschichtlich interessanter Punkte, mit Blicken auf historische Ereignisse, die manchmal nur noch vor Ort bekannt sein dürften, vorbei an mittelalterlichen Wegweisern, eine Wanderung oft auch durch schier undurchdringlich bürokratisches Dickicht. Gerade dieser Blick rechts und links des Weges macht die Buchreihe so interessant und lesenswert. Natürlich wird man nicht die gesamte Reihe von A bis T auf einmal durchstudieren wollen, aber z.B. als Vorbereitung auf eine Reise ist ein Blick vorab in den jeweiligen Band der Region bestimmt von Vorteil. Wer weiß denn, dass es in Deutschland einst den Freistaat Flaschenhals gab? Und diesem Thema widmet der Autor ganze 73 Seiten, eine Monographie in sich. Auch für andere Regionen Europas sind solche Abhandlungen Rosinen der einzelnen Kapitel.

Für sein Abenteuer war Wolfgang Schaub zehn Jahre unterwegs. Eigentlich keine lange Zeit für ein Unterfangen dieser Größe, wenngleich er auch auf einige Touren vergangener Jahre zurückgreifen konnte. Aber es muss ja auch die Zeit dafür verfügbar sein und das geht natürlich am Besten im Rentenalter, jedoch muss dann auch die Gesundheit mitspielen und der Geist für die Vor- und Nachbereitung des Erlebten.

Im Einzelnen stehen folgende Bücher in der Bibliothek unter E0231 zur Ausleihe:

A      Deutsch-Österreichischer Aufklang
B       Auf Südwestkurs
C       Die Pyrenäen
D      Die Iberische Halbinsel
E       In und um die Schweiz
F       An der deutschen Westgrenze
G      Belgien Niederlande
H      In Deutschlands Norden und Osten
I        Weiter in Richtung Osten
K       Am Südrand der Alpen
L       Den Stiefel hinunter Band 1
L       Den Stiefel hinunter Band 2
M     Bei Kelten und Briten Band 1
M     Bei Kelten und Briten Band 2
N      Das Vereinigte Königreich ganz weit draußen Band 1
N      Das Vereinigte Königreich ganz weit draußen Band 2
O      Der wilde Balkan Band 1
O      Der wilde Balkan Band 2
P       Nordlichter im Gefolge der Wikinger Band 1
P       Nordlichter im Gefolge der Wikinger Band 2
Q      Rund um die Ostsee Band 1
Q      Rund um die Ostsee Band 2
R       Der weite Osten Band 1
R       Der weite Osten Band 2
R       Der weite Osten Band 3
S       Ganz oben im Kaukasus Band 1
S       Ganz oben im Kaukasus Band 2
T       Fransen an Europas Rändern

Alles in Allem ein Schatz in unserer Bibliothek, auch wenn die Sammlung nicht vorrangig das eigentliche Bergsteigen zu Inhalt hat aber Wandern ja auch zum Bergsteigen gehört.

Kurz vor Veröffentlichung diese Buchtipps erhielt ich eine E-Mail von Wolfgang Schaub, worin er das Angebot macht, uns bei Bedarf die nächsten seiner Bücher spenden zu wollen. Inhalt des für Mai angekündigten Bandes soll eine Betrachtung von Bergen in Pyramidenform hin zu künstlich errichteten Pyramiden sein. Später im Jahr erscheinen dann noch 9 Bände von „602 Grenzsteine – eine virtuelle Wanderung entlang der französisch-spanischen Pyrenäengrenze“. Hier wird es um geschichtliche Betrachtungen der behandelten Region gehen. Natürlich nehmen wir das Angebot gern an und sind auf jeden Fall heute schon sehr gespannt darauf reinzuschauen.


29.03.2016

CollageMonviso

Monviso (Monte Viso)

Wenn’s im Winter regnet und nicht schneit, plane man die Urlaubszeit. Dafür sind manchmal ein paar Tipps von Freunden oder aus den Medien recht nützlich ein neues Ziel zu suchen. Im Sommer soll´s ja meist möglichst weit weg gehen, mindestens Australien oder so. Weit weg und hierzulande ziemlich unbekannt wären z.B. auch die im Piemont gelegenen Cottischen Alpen mit dem Monviso. Wer dem Touristenrummel in Südtirol, den Dolomiten oder in den Zentral-, Nord- und Ostalpen entgehen will, ist hier bestens aufgehoben. In dieser Bergregion beginnt sich die Natur ihren Besitz zurückzuholen. Doch das muss nicht immer gut sein, geht doch damit auch eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft verloren. Begonnen hat dies bereits vor knapp hundert Jahren. Waren die Täler am Monviso Mitte des 19ten Jahrhundert noch intensiv besiedelt, ging nach dem Ersten Weltkrieg die Bevölkerungszahl deutlich zurück und die Hälfte bis zwei Drittel der Häuser waren nicht mehr bewohnt. Nach den Zweiten Weltkrieg setzte sich die Entvölkerung weiter fort, die meisten jungen Menschen folgten den Ruf der Industrie (FIAT in Turin) und wanderten ab in die großen Städte. Etliche Dörfer zählten zur letzten Jahrhundertwende nur noch ein Zehntel der Einwohner von vor 150 Jahren. Erst seit den vergangenen Jahren kommen einige junge Leute wieder in die Dörfer, meist aber nicht um dort zu leben und zu arbeiten sondern um ihr Wochenende dort zu verbringen. Wenngleich dadurch auch einige Häuser wieder hergerichtet werden, ist der weitere Bevölkerungsschwund nicht aufzuhalten. Derzeit beträgt die Bevölkerungsdichte in den Tälern – besonders im Maira-Tal, dem Nachbartal des Valle Variata – ca. 2 Einwohner/m², das ist soviel wie in Alaska und man spricht auch von „buca nera“, eines der schwarzen Löcher Europas.

Wer also die Einsamkeit liebt und sich auf seiner Wanderung an engen Stellen nicht anstellen oder sich ungern bedrängen lassen will ist hier bestens aufgehoben, und es ist ein ganz besonderer Luxus, einen Tag lang für sich alleine wandern zu dürfen, mitten in Europa. Natürlich gibt es auch hier Wandermöglichkeiten. Als bedeutende Route führt die GTA (Grande Traversata delle Alpi) durch dieses Gebiet und es gibt eine 12-Tage Trekking Tour im Varaita-Tal. In dem neuen Wanderheft „12 Tage Trekking“ sind die einzelnen Etappen von 4 bis 8 Stunden ausführlich beschrieben mit begleitenden Routenkarten. Wer es bergsportlicher will, kann sich ja der Besteigung des Monviso 3841m stellen oder auf der GTA bis zum Mittelmeer wandern. Zu empfehlen sind auch die GTA-Führer von Werner Bätzing (F2537 und F2538) bzw. Iris Kürschner/Dieter Haas (F1150); alle Führer sind in der Bibliothek ausleihbar. Auch wenn hier wenige Wandersleute unterwegs sind, gibt es die erforderlichen Übernachtungsmöglichkeiten in rustikalen Gashäusern oder Posto Tappas am Ende einer Etappe. Dort kann man sich dann stärken an der legendären piemontesischen Küche und laben an einem Barolo Rotwein oder Co.

Hier noch Links zur weiteren Abrundung:
http://www.klingenfuss.org/gta_wege.htm
http://michael-kleider.de
http://www.vallidelmonviso.gov.it

Vielleicht sind das ein paar Schmankerln für den Sommerurlaub und wenn man nicht den Flieger nach Turin nimmt brauch man für die Anreise fast soviel Zeit wie nach Australien. Es lohnt sich auf jeden Fall.


02.02.2016

Mühlsdorf

Chronik von Mühlsdorf

Ein kleines Dorf und eine dicke Chronik. Erstaunlich welche Menge an Material das kleine Dorf bei Lohmen für ihre Ortschronik zusammengestellt hat und das in bemerkenswerter Qualität! Auch für einen nicht im Dorf aufgewachsenen oder dort wohnenden aber mit der Region verbundenen Leser ist es eine kurzweilige und informative Lektüre.

Gerade jetzt vor dem Frühling bekommt man gleich Lust, sich das Dorf einmal oder wieder einmal anzusehen und eine kleine Spazierwanderung in die Umgebung, nicht nur den Liebethaler Grund, vielmehr auch das Gebiet nördlich mit den interessanten Steinkreuzen und schönen Ausblicken auf unsere Landschaft zu planen.


11.01.2016

Sandsteinblogger

SANDSTEINBLOGGER Ausgabe 1

Heh Paula, ich habe hier eine recht vergilbte und ziemlich alte Zeitschrift gefunden die heißt, warte mal was steht geschrieben, äh Sandschdeinbloggor, keine Ahnung wer oder was Bloggor sind, jedenfalls ist sie von 2015 und fast hundert Jahre alt.
Otto, ich glaube Blogger waren damals Leute die Tagebuchaufzeichnungen, sogenannte Blogs im, wie sie es seinerzeit nannten, Internet gemacht haben. Zum Glück hast du ja ein gedrucktes Exemplar gefunden, denn das Internet von damals kann man ja schon lange nicht mehr lesen.

Vielleicht könnte sich in rund hundert Jahren ein ähnlicher Dialog in der SBB-Bibliothek so zutragen – wer weiß. Mit Sicherheit darf man aber heute wissen, dass mit dem gedruckten Magazin nun eine für die „Ewigkeit“ gemachte Ausgabe des Internet-Magazins SANDSTEINBLOGGER vorliegt. Glückwunsch, für die sowohl im Web wie auch gedruckt sehr gut gelungene Ausführung des Magazins und für den Mut zum Papier. Ist nicht aber das Internet viel schneller und immer aktueller als jedes Druckexemplar? Bestimmt, aber darauf kommt es dem Macher Hartmut Landgraf sicher gar nicht an. Er gibt uns konventionell geprägten Lesern etwas in die Hand, worin wir mit unseren Fingern blättern dürfen, immer und immer wieder. Man sagt wohl, im Internet gehe nichts verloren aber was suche ich, wenn ich nicht weiß, wonach ich suchen soll.

Und so bleibt uns zum Beispiel dauerhaft erhalten das Felsfieber von Robert Leistner oder die Abenteuer im Untergrund oder das Geheimnis der Siebenschläferboofe oder Deutschlands dunkelster Ort oder oder oder. Themen aus unserer Region, die von unseren Leuten erzählen und vom Sandstein – unsere Heimat.

Das Magazin kann man kaufen oder sich auch in der SBB-Bibliothek ausleihen und dort wird es noch in Jahrzehnten verfügbar sein – siehe Dialog.


14.12.2015

Buchtipp2

ALLMOUNTAIN #2 und #3

Nun sind sie endlich da, die Ausgaben #2 und #3. Durch interne Abstimmung wurden sie etwas verspätet geliefert. Aber, wer hat‘s gemerkt?

Wie #1 sind auch die neuesten Ausgaben voll bepackt mit ausgewählten Schwerpunktthemen z.B. über Klettern in  Vratsa in Bulgarien oder immer exponiertere Höchstleistungen in den Bergen oder außergewöhnliche Ski-/Snowboard-Projekte oder BASE-Jumping oder wie ehrlich kann Bergsport sein oder oder oder …

Nur der Blick ins Heft kann die Antwort geben. Also, ausleihen!


18.11.2015

Museumsheft

Die Eroberung der Sächsischen Schweiz

Nun kommt wieder die Zeit, in der man sich am liebsten mit einem schönen Buch hinter den Ofen verkriecht. Da kann man zum Beispiel an der Eroberung der Sächsischen Schweiz teilnehmen. Vorher ist nur ein kleiner Besuch in der Bibliothek nötig und man leiht sich das Pirnaer Museumsheft, Band 14 „Die Eroberung der Sächsischen Schweiz – Beiträge zur Geschichte des Fremdenverkehrs“ aus und die nächsten verregneten Tage sind gerettet. Es ist schon erstaunlich, mit welchen neuen und interessanten Informationen zu dem vermeintlich abgegrasten Thema die Autoren aufwarten. Siehe auch die Rezension im Heft 32/2015 „Sächsische-Schweiz-Initiative“.